Meinung : Kassensturz

„City-BKK ist pleite – mit Folgen“

vom 18. Mai

War alles nur ein geheucheltes Theaterspiel? Eine schizophrene Inszenierung über Jahre hinweg? Waren die zehnjährige Freundlichkeit und Fürsorglichkeit, die helfenden und stützenden Hände bei der Behandlung einer 92jährigen blinden Patientin, die von heute auf morgen von ihrer Ärztin nicht mehr behandelt wird, weil sie Mitglied einer Pleitekrankenkasse ist, nur rechnerisches Kalkül, weil ja bisher alles bezahlt wurde? Es verschlägt einem den Atem. Diese Ärztin hätte jetzt einige Fragen zu beantworten, vor allem jene, was in ihr vorgegangen ist, der alten blinden und kranken Dame die Behandlungstür vor der Nase zuzuschlagen. Einfach so, ohne eine Ermessensentscheidung zugunsten ihrer langjährigen Patientin zu treffen, sie selbstverständlich zu empfangen. So bleibt diese Art der „Behandlung“ ein barbarischer Akt, der genauso zu verurteilen ist, wie das böse Spiel mit den vielen anderen – vor allem älteren City-BKK-Versicherten –, die man von Pontius zu Pilatus laufen lässt – die Abendschau zeigte für mich erschütternde Bilder alter Menschen, die Stunde um Stunde warten mussten, um sich ihr verbrieftes Recht, sofort von einer anderen Kasse übernommen zu werden, erstehen und erbetteln mussten.

Oder offenbarte sich mit diesem Kassenkonkurs noch etwas viel Schrecklicheres: dass man die alten, kranken, gebrechlichen und damit „nur“ Kosten verursachenden Menschen längst als lästig und in vielfacher Hinsicht als belastend empfindet?

Die immer wieder auftauchenden Berichte von unzumutbaren Zuständen in „Aufbewahrungsanstalten“ für schwere Pflegefälle verstärken diesen Eindruck. Es verbietet sich von selbst, diese Gedanken noch weiter in Richtungen zu führen, die an unselige Zeiten der Ausgrenzung und Schlimmeres erinnern, die jedoch bei dem Umgang mit den ehemaligen City-BKK-Versicherten aufkommen. Wenn aber eine Gesellschaft – und damit sind in diesem Fall die Verantwortlichen der Kassenvereinigungen, die verschiedensten Kassen und Praxen gemeint – sich so beschämend und verletzend gegenüber alten, kranken und schwachen Menschen verhält, können wir das Buch der Verantwortung für diejenigen, die uns die Summe ihres Lebens als bereichernde Erinnerung und Bitte um unsere Fürsorge in die Hände legen, bald endgültig schließen.

Conrad Maria Mullenarque,

Berlin-Charlottenburg

Über die Berichte der Pleite der City-BKK und der daraus folgenden unerträglichen Situation, der dort bisher versicherten Patienten, bin ich sehr betroffen. Man kann es kaum glauben, dass eine Berliner Orthopädin aus Pankow ihrer langjährigen hochbetagten und blinden Patientin mit der Pflegestufe 1 die medizinische Hilfe nach geltenden Bestimmungen rechtswidrig verweigert. dieser Ärztin sollte von der Kassenärztlichen Vereinigung die Krankenzulassung entzogen werden.

Eva-Maria Braun, Berlin-Lichterfelde

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