Katrin Göring-Eckardt : Frommer Wunsch

Katrin Göring-Eckardt muss sich entscheiden: Ihre Ämter nur ruhen zu lassen, wäre halbherzig

Stephan-Andreas Casdorff

Weil jetzt allerorten von der „frommen Frau“ die Rede ist, was den Eindruck erweckt, die Besagte sei eher keine Politikerin – hier kommt der Einspruch. Katrin Göring-Eckardts Auffassungen können durchaus auch spalten, statt zu versöhnen. Jedenfalls wird das noch wahrscheinlicher, wenn der Wahlkampf erst richtig begonnen hat, an dem sie als Spitzenkandidatin der streitbaren Grünen teilnimmt. Göring-Eckardt will Politik machen – dann soll sie die machen und sich nicht verstecken. Darum darf sich „KGE“ auch nicht in den Schutz ihrer, sagen wir, Immunitäten zurückziehen, als da sind: Vizepräsidentin des Bundestags und Präses der EKD, der Evangelischen Kirche Deutschlands. Das sind beides Ämter, die überparteilich angelegt sind. Sie nur ruhen zu lassen, wäre halbherzig. Göring-Eckardt kann nicht alles haben, nämlich als Spitzenkandidatin die Möglichkeit, über politischen Streit bis in die Regierung zu gelangen, zugleich aber sanfter behandelt zu werden als andere, aus „Beißhemmung“, wie auch hinterher weicher zu fallen, wenn es mit der Regierung nichts geworden sein sollte. Sie muss sich entscheiden. Andere vor ihr mussten das auch, nicht zuletzt getrieben von den Grünen.

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