Meinung : Kein Mohn im Blechnapf

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Was macht eigentlich die Strafvollstreckungskammer beim Oberlandesgericht Karlsruhe? Die Frage mag all jene verblüffen, die bisher nicht einmal von der Existenz dieser Einrichtung ahnten oder sich darunter fälschlich eine besonders gesicherte Gefängniszelle vorstellten. Hier ist die Wahrheit: Die Kammer hat in einem bundesweit beachteten Verfahren Mohnbrötchen verboten, jedenfalls für die Strafgefangenen in Bruchsal. Mohn macht doof, sagt der Volksmund, wohl wissend, dass in jedem Korn eine winzige Winzigkeit vom bösen Opium steckt, genug, um nach dem Verzehr von etwa drei Millionen Brötchen eine Art Rauschzustand … Unfug. Es ist so, dass ein Häftling, der morgens Mohnbrötchen isst, mittags beim Drogentest negativ auffallen würde. Die Anstaltsleitung könnte dann nicht mehr unterscheiden, ob sie es mit echten Junkies oder nur mit Gourmets zu tun hat, und es gibt deshalb in Bruchsal nur noch Sesam und Kürbiskern. Diejenigen, die nach alter Tradition unter Häftlingskost Wasser und Brot aus dem Blechnapf verstanden, müssen nun umdenken: Es wird hart ums Essen gerungen im Knast. Und wir erwarten nun spätestens für 2009 die Grundsatzentscheidung des Bundesverfassungsgerichts. Denn ohne die allerletzte Instanz wird in Deutschland ja sowieso keine Bagatelle mehr entschieden.

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