Meinung : Kein schönes Gefühl

„Frust oder Keule“ vom 16. Dezember

Den Menschen im Strafvollzug geht es an Weihnachtstagen nicht gut, es ist sicher kein schönes Gefühl, eingesperrt zu sein. Fakt ist aber, dass sie eine Entscheidung getroffen haben, die sie dort hingeführt hat, wo sie nun sind. Die von ihren Taten betroffenen Menschen konnten sich nicht entscheiden. Sie sind der Aggression, der Gewalt, den Übergriffen ausgesetzt und ausgeliefert gewesen und müssen für den Rest ihres Lebens mit den Auswirkungen leben. Wie wird es wohl den Kindern der Frau, die an einem Wochenende durch einen Betrunkenen, der sich auf freiem Fuß befindet, zu Tode kam, am Heiligabend gehen? Wie geht es den Eltern, deren Kind zu Tode geprügelt, zum Schwerstbehinderten geschlagen wurde, traumatisiert oder gar nicht mehr da ist? Wie wird er sich wohl fühlen, der Sechsjährige, der von seinem Vater im Auto misshandelt wurde? Wie viel Sicherheitsgefühl haben an den Feiertagen Menschen, denen das Haus oder die Wohnung ausgeraubt und durchwühlt wurde? Bei all denen ist mein Mitgefühl, und ich würde mir wünschen, darüber zu lesen statt über den Frust derer, die all das ausgelöst haben. Vielleicht an den Feiertagen einfach mal in der Zelle eine Kerze anzünden und an die denken, deren Leben zerstört wurde.

Heidrun Stark, Kleinmachnow

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