Keine Förderung von Schiefergas : Hohe Hürden für Fracking in Deutschland

Der politische Kompromiss zum Fracking ist widersprüchlich - tatsächlich scheint niemand die Technologie in Deutschland voranbringen zu wollen. Das ist ein Fehler, findet unser Autor.

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Wie hier in Saal in Mecklenburg-Vorpommern sind viele Menschen in Deutschland gegen Fracking - dadurch bleibt Deutschland von Russland abhängig, meint unser Autor.
Wie hier in Saal in Mecklenburg-Vorpommern sind viele Menschen in Deutschland gegen Fracking - dadurch bleibt Deutschland von...Foto: dpa

Wladimir Putin kann sich freuen. Deutschland wird Russland auch künftig jede Menge Erdgas abkaufen und sich damit auch politisch an das Land im Osten binden. Die Chance, einen größeren Teil des Bedarfs mit heimischen Vorkommen zu decken, ist vorerst vertan.

Eine Förderung von Schiefergas mittels Fracking zu wirtschaftlichen Zwecken werde es auf absehbare Zeit nicht geben. So schreiben es die Bundesminister für Wirtschaft, Sigmar Gabriel, und Umwelt, Barbara Hendricks, unmissverständlich an ihre Genossen der SPD-Bundestagsfraktion. Mit dem Kompromiss, der nach der Sommerpause in Gesetzen verankert werden soll, wollen sie einen jahrelangen Streit beenden.

Die Mehrheit der Deutschen ist gegen Fracking

Wie soll sich Deutschland in der F-Frage verhalten? Industrievertreter möchten das Wort am liebsten nicht mehr aussprechen und schwadronieren von „Kluft-Optimierung“, wenn es darum geht, Gestein mit hohem Wasserdruck aufzubrechen, auf dass mehr Öl und Gas zum Bohrloch strömen. Gegner des Verfahrens nutzen den Begriff umso beherzter, schließlich klingt „Fracking“ so herrlich gefährlich wie „Glyphosat“ oder „Atommeiler“. Die Kampagnen haben gewirkt, die Mehrheit der Deutschen ist gegen Fracking.

Diese Stimmung haben Gabriel und Hendricks aufgenommen und zur Grundlage ihres Kompromisses gemacht. Das ist in einer Demokratie nur richtig, kann aber auch dazu führen, dass Widersprüche in der allgemeinen Wahrnehmung zur Maxime des politischen Handelns werden. Der Fracking-Bann, der lautstark gefordert wurde, widerspricht den Erfahrungen der vergangenen fünf Jahrzehnte: Da wurde hierzulande in gut 300 Fällen mit genau diesem Verfahren die Ausbeute herkömmlicher Gaslagerstätten erhöht, ohne Schäden für die Umwelt. Das plötzlich verbieten zu wollen, wäre logisch nicht zu begründen gewesen.

Fracking ist notwendig, weil die Reserven zur Neige gehen

Daher sollen Fracs in konventionellen Lagerstätten nach dreijährigem Moratorium wieder erlaubt sein, allerdings werden die Vorschriften weiter verschärft. In unkonventionellen Lagerstätten – da geht es vor allem um Schiefergas – darf weiterhin nicht gefrackt werden, wenn die fraglichen Horizonte dem Erdboden näher als drei Kilometer sind. Ausgenommen sind einzelne wissenschaftlich begleitete Testprojekte, die es nach jahrelangem Zögern der Behörden endlich geben soll. Die dort eingesetzten Flüssigkeiten dürfen jedoch nicht „wassergefährdend“ sein. Das klingt vernünftig, wirft aber die Frage auf, warum die Fluide, die in konventionellen Lagerstätten benutzt werden dürfen, weniger strengen Kriterien („maximal schwach wassergefährdend“) unterworfen sein sollen.

Logisch ist das nicht. Es entsteht der Eindruck, dass es bei den Tests eher darum geht, den Ruf der zunehmend als technikskeptisch geltenden Deutschen nicht noch weiter zu beschädigen. Die neue Technologie wirklich voranzubringen, scheint nicht erwünscht zu sein. Das aber ist nötig, je mehr die konventionellen Reserven zur Neige gehen. Die Alternative: hoffen, dass die russischen Gasfelder weiter produzieren. Und lieber nicht danach fragen, unter welchen Bedingungen das geschieht.

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