Meinung : Keine Idylle

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Mehr ging nicht: Der Mörder des siebenjährigen Christian wurde zur Höchststrafe von zehn Jahren verurteilt. Dabei wurde er nicht einmal für voll schuldfähig eingestuft. Eine Einweisung in die Psychiatrie aber wäre nicht nur für die Eltern des Opfers, sondern auch für die Öffentlichkeit unbefriedigend gewesen – dabei hätte das bedeutet, dass der 16-jährige Täter unbegrenzt weggesperrt wird. So aber ist er nach voraussichtlich sieben Jahren wieder frei. Es bleibt das furchtbare Gefühl, dass ein Kind sterben musste, nicht in den kriminellen Problemzonen der Hauptstadt, sondern in der scheinbaren Idylle von Zehlendorf, weil alle Warnsysteme von Schule, Jugendämtern, Justiz und Polizei versagten. Ein Täter, der schon als 11-Jähriger seine Lehrerin bedrohte, konnte zu einem wüsten Schläger heranwachsen. Nicht das auf zwölf Jahre abgesenkte Strafmündigkeitsalter hätte diesen Mord verhindert, sondern mehr Möglichkeiten, um einer erkennbar überforderten Familie Hilfe aufzuzwingen und dem Täter gegenüber rechtzeitig Härte zu demonstrieren. Ist es ein Trost, dass seit dem Mord, der wie selten einer die Stadt aufgewühlt hat, Justiz und Ämter endlich handeln?gn

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