Keine Quadriga für Putin : Voll gegen die Wand gefahren

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Als gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist das Netzwerk Quadriga organisiert, aber zutreffend ist eigentlich nur das Wort beschränkt. Statt als gemeinnützig erweist sich der Laden eher als gemeingefährlich, und zwar für seine Mitglieder, Förderer und Funktionäre, aber auch für die deutsche Außenpolitik. Und was die Haftung betrifft – in diese nimmt die Quadriga mit ihrer seltsamen Preispolitik das ganze Land. Denn die Gesellschaft mag eine private sein, doch durch die Besetzung der Gremien mit hochrangigen Politikern, auch solchen aus der Regierung, und mit der Ehrung von Staatsmännern (Frauen sind durchweg unterrepräsentiert) hat sie sich einen zumindest halbstaatlichen Anschein gegeben.

Der Anspruch also ist hoch, die Selbstwahrnehmung der eigenen Bedeutung nicht minder. Beschränkt dagegen sind die Fähigkeiten: zum einen die organisatorischen, wie sich an wirren Entscheidungsstrukturen, chaotischen Absprachen und finanziellen Ungereimtheiten zeigt; zum anderen die zur Einsicht, mit Putin einen kapitalen Bock geschossen zu haben. Geradezu trotzig wird im Namen des Kuratoriums die ursprüngliche Entscheidung für Putin verteidigt, zugleich aber ein „unerträglicher Druck“, erzeugt von „den Medien und Teilen der Politik“, dafür verantwortlich gemacht, dass man sich gezwungen sehe, die Preisverleihung abzusagen und damit auch den drei weiteren Auserwählten ihre Quadriga vorenthalten müsse.

Ja, es ist schon ein Kreuz mit der Demokratie, dass da jeder mitreden darf. In Russland wäre das jedenfalls nicht passiert. Man kann eigentlich nur hoffen, dass sich nicht auch noch die Kanzlerin eingemischt hat in die eine oder andere Entscheidung, die mal für Putin, mal gegen ihn ausfiel. Das eine wäre so übel wie das andere. Die deutsch-russischen Beziehungen, für deren Stabilität Putin unter anderem ausgezeichnet werden sollte, sind aber so oder so unter die Räder der Quadriga geraten.

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