Meinung : Kennen Sie den?

Lachen über Hitler. Der Witz und seine Beziehung zum Monströsen

Christiane Peitz

Lachen befreit. Schon falsch. Zwar ist die Befreiung das, was der Mensch sich vom Lachen erhofft. Aber wer lacht, tut das eben deshalb, weil er sich nicht frei machen kann. Bekanntlich kollabieren im Lachen Sinn und Verstand. Weil es da die Moral gibt und die Empathie und die politische Korrektheit, wegen der sich ein respektloser Witz verbietet. Dummerweise gibt es keine respektvollen Witze. Ein guter Witz ist im Kern immer unfair, verletzend, gemein. Genau das übertönen wir und lachen – trotzdem.

Wir lachen, weil uns etwas überfordert, weil wir es beim besten Willen nicht unter die Füße kriegen. Deshalb sind die besten Witzfiguren Autoritäten, deshalb werden Politiker und Päpste karikiert, Tyrannen und auch Götter. Deshalb wollen wir über Hitler lachen. Alles andere wäre Untertanengehorsam.

Kein Wunder also, dass sich die Nation in der Hitlerkomödien-Debatte so widersprüchlich verhält. Einerseits waren die Erwartungen an Dani Levys NS-Farce „Mein Führer“ groß. Gleichzeitig lehnten die Deutschen den Film laut Umfrage mehrheitlich ab: vor dem Kinostart, also unbesehen! Mal abgesehen davon, dass man sich auch solche Umfragen nur als Farce vorstellen kann, in der die Befragten die Bitte um Auskunft über den „Führer“ mit der knappen Antwort „Bin dagegen“ parieren, mal abgesehen davon, dass ein renommierter Historiker wie Hans-Ulrich Wehler sich selbst persifliert, wenn er Hitler exklusiv für die Wissenschaft beansprucht: Was Hitler und die Nazis betrifft, ist die Lach- und Schießgesellschaft namens Bundesrepublik alles andere als entspannt. Das ist nicht gut so oder schlecht, es ist so, 61 Jahre nach dem Ende des „Tausendjährigen Reichs“. Jeder blamiert sich, so gut er kann – auch das ist Meinungsfreiheit.

Nach Historikerstreit, Goldhagen- und Mahnmal-Debatte, nach der Aufregung um das Drama „Der Untergang“ und um Günter Grass’ Waffen-SS-Beichte dreht sich die Diskussion nun um eine Komödie, die an den gleichen Schwächen leidet wie die Diskussion selbst. Sie ist läppisch, hat wenig Fallhöhe, keine Prägnanz oder Schärfe. Sie traut sich nicht. Sie sehnt sich nach Leichtigkeit und Normalität im Blick auf die Vergangenheit – und versagt sie sich, aus gutem Grund. Deshalb ist die Komödie nicht komisch, deshalb zielt die Kritik an ihr ins Leere. Der Publikumsfilm, der Hitler als Hanswurst zeigt, ist noch nicht gedreht.

Selbst wenn es ihn gäbe: Hitler als Mensch und die hackenschlagenden Hitlergrüßer in „Der Untergang“, das hatte unfreiwillige Komik – und war in seinem Willen zur Ernsthaftigkeit womöglich fragwürdiger als Helge Schneider im Trainingsanzug. Denn das Drama setzt voraus, dass man dem Nationalsozialismus beikommen kann, indem man ihn nachstellt, mit penibel rekonstruierten Dialogen und Originalrequisiten. Dann lieber schwarze Komödie. Sie weiß wenigstens um ihre eigene Unangemessenheit und macht kein Hehl daraus, dass es kein angemessenes Stilmittel geben kann für das Monströse, für die Ungeheuerlichkeit der NS-Verbrechen.

Ein anderer Satz lautet: Man darf über die Täter lachen, aber nicht über die Opfer. Auch das stimmt nicht ganz. Roberto Benignis KZ-Komödie „Das Leben ist schön“ trug das Lachen bis ins Lager, ohne die KZ-Opfer zu verhöhnen. Und wer sich über Täter mokiert, verharmlost noch lange nicht ihre Taten. Er verweigert nur den Respekt vor Befehlshabern. Das wäre ja noch schöner: Dass nur Ostfriesen-, Blondinen- und Judenwitze erlaubt sind, nicht aber Mohammed-Karikaturen, Papst-Cartoons, Bush-Jokes, Honecker-Witze und Nazi-Komödien.

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