Meinung : Kiezbaukasten

„Es gibt kein Grundrecht auf Wohnen in der Stadtmitte“ vom 4. Februar

Wer darf in Mitte wohnen? Früher war die Antwort einfach: Die Ärmsten der Armen, die, wie Zille dokumentierte, sich ihre Gesundheit beim Trockenwohnen ruinierten. Später militärische Ränge, Kaufleute, Regierungsbeamte, Staatskünstler und ein paar Asoziale, die dem Gebiet das richtige Flair gaben. Mit der DDR begann die Gleichmacherei in Mitte. Der Kombinatsmitarbeiter durfte neben dem Parteisekretär wohnen. Versuche der Obrigkeit, Mitte von Gunstgewerblerinnen freizuhalten, scheiterten ähnlich, wie den Savignyplatz sauber zu halten. Die Probleme waren systemübergreifend mit Mitteln der Bürokratie nicht zu bewältigen. Die ausgeprägte Schutzzonenmentalität Westberlins führte zur Reservatsideologie der Sozialdemokraten. Kieze sollten in ihrer Ursprünglichkeit erhalten werden. Not macht erfinderischer, als Bürokratengehirne es sich erträumen können. Die deutsche Verfassung schützt die Freizügigkeit der Wohnortwahl, Europa unterstützt Wohn- und Niederlassungsfreiheit seiner Bürger. Jeder hat ein Anrecht auf Wohnen in Mitte.

Dr. Horst Riese, Berlin-Mitte

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