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Zum Vulkanausbruch auf Island und dessen Folgen für den Flugverkehr schreibt die

„Neue Zürcher Zeitung am Sonntag“:

Wer hätte vor einer Woche gewusst, dass der schwarze Rauch eines aktiven Vulkans wesentlich mehr enthält als Ruß? Dass es sich beim Ausstoß vielmehr um feinste Glaspartikel handelt, die imstande sind, den Rumpf eines Verkehrsflugzeugs zu schmirgeln oder dessen Turbinen abzustellen? Dass diese Partikel aber den menschlichen Lungen rätselhafterweise nichts anhaben sollen? Man lernt nie aus. Die eindrücklichste Lektion ist diese: Das beispiellose Flugverbot über Europa zeigt, wie eng Geschäfts-, Familien- und Sozialleben der Menschen auf dem Kontinent dank günstigen und schnellen Flugverbindungen bereits verflochten sind. Der Vulkanausbruch ändert dies nicht. Im Gegenteil, Europa erträgt den Ausbruch stoisch, vereint unter der großen Wolke.

Die französische Regionalzeitung „Dernières Nouvelles d'Alsace“ (Straßburg) lobt die Entscheidung der Flugsicherheitsbehörden in Europa:

Nun hat tatsächlich ein kleiner isländischer Vulkan die gesamte zivile Flugzeugflotte am Boden blockiert. Wer hätte das gedacht? Doch diese Realität wird durch die unabhängige Überwachungsbehörde Eurocontrol perfekt verwaltet. Trotz des vielfältigen wirtschaftlichen Drucks hat es Eurocontrol in Brüssel verstanden, sein umfassendes „Vorsorgeprinzip“ durchzusetzen, das alle Staaten durch Schließung ihrer Flughäfen umgesetzt haben. Dies ist eine löbliche Effizienz, und sie sollte den Fluggesellschaften zu denken geben, die so viel in ihrer Werbung versprechen, aber nicht in der Lage sind, ihre Passagiere zu informieren.

Die in Wien erscheinende Zeitung „Die Presse“ warnt dagegen vor Hysterie:

Der Eyjafjallajökull macht noch alle wahnsinnig. Als Erstes die isländischen Geologen, sie sind ja auch am nächsten dran. Der Vulkan habe seine Aktivität intensiviert, ließ Magnus Tumi Gudmunsson die auf den Flughäfen dieser Welt Wartenden am Samstag wissen. Sein Kollege Armann Hoskuldsson sah hingegen Anzeichen, dass Eyjafjallajökull, die alte Aschenschleuder, sich langsam beruhigt. Also was jetzt? Ähnlich schwer auszurechnen ist, wie gefährlich die Aschewolken, die der garstige Nordwestwind durch Europa geblasen hat, denn tatsächlich sind. Nichts Genaues weiß man nicht. Weder ist bekannt, ab welchem Konzentrationsgrad die Vulkankörnchen die Triebwerke verkleben und Flugzeuge zum Absturz bringen können. Noch gibt es Messgeräte dafür. Ganz Europa macht sich also prophylaktisch in die Hosen.

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