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Zur Guttenberg-Debatte schreibt die „NZZ am Sonntag“:

Politiker lernt man erst in einer Krise wirklich kennen. Zu Guttenberg inszenierte sich medial immer als Ausnahmepolitiker von hoher Glaubwürdigkeit. Nun hat er selbst wohl einen großen Fehler begangen, und siehe da: Er reagiert wie ein Durchschnittspolitiker. Er negiert zuerst, er verdrängt, er räumt dann dieses und jenes ein – er verschiebt also die Verteidigungslinie millimeterweise je nach Bedrohungslage, in der Hoffnung, diese ließe sich irgendwo vor dem politischen Abgrund halten. Der Minister muss jetzt nachholen, was er bei seinem steilen Aufstieg verpasst hat: Er muss sich in Bescheidenheit, Demut, Selbstkritik üben.

„Die Presse“ aus Wien kommentiert:

Silvio Berlusconi und Karl-Theodor zu Guttenberg haben weder inhaltlich noch biografisch viel gemeinsam. Nur dies: Ihr außerordentlicher, für die linken Korrektheitsfadiane (langweilige Verfechter der politischen Korrektheit) unerklärlicher und selbstverständlich auch unerträglicher Erfolg als Politiker beruht darauf, dass sie nicht als Politiker wahrgenommen werden. Dafür werden sie von den Massen und vom Boulevard geliebt. Was wir jetzt erleben, ist so etwas wie die Rache der grauen Mäuse. Wen man im politischen Ring nicht in den Griff bekommt, den muss man auf dem Nachhauseweg erwürgen.

Die „Salzburger Nachrichten“ meinen zum selben Thema:

Sorgen haben die Deutschen! Es ist schon richtig: Abschreiben ohne zu zitieren ist Schwindel. Herr zu Guttenberg muss sich der Kritik stellen und hat Aufklärungsbedarf. Aber haben wir nicht schon Schlimmeres gesehen? Parteispendenskandale, deren Dreck sich so mancher Politiker flott von der Weste wischte, zum Beispiel. Guttenberg muss jetzt auf die harte Tour lernen, dass er in einem politischen Haifischbecken schwimmt.

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