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Klaus von Dohnanyi, selbst Mitglied der SPD, schreibt im „Spiegel“ zum Ausschlussverfahren seiner Partei gegen Thilo Sarrazin, dessen Rechtsbeistand er war:

Die Sarrazin-Debatte war ein trauriges Beispiel mutloser „Korrektheit“. Nicht nur die SPD, fast die ganze politische Elite und ihre sonst so wissbegierigen Intellektuellen haben es versäumt, seine Fragen zu verstehen und jeweils auf ihre eigene Weise zu beantworten. Man muss ihm ja nicht zustimmen; man könnte ihn auch frontal sachlich kritisieren. Aber man muss doch seine Fragen wenigstens ernst nehmen! Die SPD, jedenfalls, hatte es sich mit einem Ausschlussantrag zu bequem gemacht. Die Schiedskommission führt jetzt souverän und sachkundig zu den Sachfragen zurück. Den Mitgliedern der Kommission sei dafür Dank.

Denn eine Gesellschaft darf sich der Diskussion über brennende Fragen der Zeit nicht verschließen. Und es ist Aufgabe der Parteien und der Politik, den Diskussionsraum für solche Debatten weit offenzuhalten und gegen alle Widerstände immer wieder zu öffnen. Nur so lässt sich ein fruchtbarer und freier Dialog ermöglichen. Ohne einen solchen, ohne mehr Selbstvertrauen und mehr Selbstbewusstsein von Parteien und Politik in eine freie und kontroverse Debatte, werden wir die Zukunft unserer Kinder nicht erfolgreich vorbereiten können.

In der „WamS“ schreibt Olaf Henkel zum chinesischen Künstler Ai Weiwei: Wir müssen befürchten, dass Ai Weiwei mittels Folter Geständnisse abgepresst werden, die ihn zum Wirtschaftsverbrecher stempeln sollen. Die menschenverachtende, sogar eigene Gesetze verletzende Behandlung Ai Weiweis hat die Hoffnung vorerst zerstört, dass sich in China mit zunehmendem Wohlstand auch die Menschenrechtssituation verbessern würde. Sie hat auch deutsche Missverständnisse zutage gebracht. So wurden die Schikanen der chinesischen Machthaber gegen Ai Weiwei hier oft als Angriff auf die Freiheit der Kunst interpretiert. An Kreativität ist die Szene moderner chinesischer Kunst heute kaum zu übertreffen. Mit Ai Weiwei soll jedoch nicht ein Künstler, sondern ein Menschenrechtler verschwinden … Allzu oft höre ich aus Kollegenkreisen, dass sich China schon aus historischen Gründen nicht für Menschenrechte und Demokratie eignen würde. Südkorea, Taiwan, Japan, selbst Hongkong haben das längst widerlegt. Auch geht es inzwischen nicht mehr „nur“ um die Menschenrechte der Chinesen. Angesichts seines gewaltigen militärischen Potenzials ist Chinas Demokratisierung auch für uns von größtem strategischem Interesse, schließlich hat noch nie eine Demokratie eine andere angegriffen. Wir müssen begreifen: Ai Weiwei kämpft auch für uns.

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