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aus Paris kommentiert die Verhaftung des IWF-Chefs in New York:

Der Fall des Dominique Strauss-Kahn geht weiter … Das Gesicht des Angeklagten in Nahaufnahme, zum Schweigen verdammt, der Richterin gegenüber, einer Frau. Überall Kameras, diese absolute Transparenz, die die amerikanische Justiz bestimmt, die aber hierzulande an eine Marter des Ancien Régime erinnert: Die öffentliche Zurschaustellung, damals noch auf die Verurteilten beschränkt, die dann unter den Augen der Menge für ihre Vergehen den Preis der Schande zahlen mussten … Der Fortgang der gerichtlichen Untersuchung wird alle Informationen ans Licht bringen, Informationen, die zum jetzigen Zeitpunkt unvollständig sind, auch wenn die Macht der Bilder aus der Unschuldsvermutung eine Schuldvermutung macht.

meint zum gleichen Thema:
Das Ritual folgt einem Skript: Ein Skandal droht, den Ruf eines Mächtigen in Frankreich zu zerstören. Politiker sagen, sie seien schockiert … Journalisten diskutieren, ob sie den Gerüchten nachgehen und Geheimnisse hätten lüften müssen. Der Staub legt sich. Der Status quo wird wieder hergestellt. Das Privatleben wird geschützt … Die Franzosen haben sich mitschuldig gemacht, indem sie diese Art der Geheimniskrämerei akzeptiert haben … Nun wird durch die Festnahme von Strauss-Kahn ein weiteres Mal die Ansicht hinterfragt, dass das Privatleben der Reichen, Schönen und Mächtigen der öffentlichen Prüfung entzogen ist … Doch auch, wenn es etwas anderes ist, wegen Vergewaltigungsvorwürfen zu ermitteln, als Details aus dem Privatleben von jemandem preiszugeben, gibt es einen Widerwillen dagegen, die Schleusen für Nachforschungen in das Privatleben der Mächtigen zu öffnen.

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