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Die Londoner Sonntagszeitung The Observer meint zur Griechenlandrettung:

In Großbritannien wird die ganze Angelegenheit als ein Drama verstanden, das Griechenland, Deutschland, den Mitgliedern der Eurozone und des IWF Sorgen bereitet. Da das schlaue England ja beim Euro nicht mitmacht, sei das nicht unser Problem. Großbritannien muss nicht mithelfen, darauf bestehen die euroskeptischen Tory-Abgeordneten und das Kommentariat. Sollen sich die Europäer, die dieses Durcheinander angerichtet haben, doch selbst helfen. Das ist eine der schwerwiegendsten Fehleinschätzungen der letzten Zeit ... Wir haben ein Bankensystem, das Kredite in Höhe des Vierfachen unseren Bruttoinlandsproduktes vergeben hat, mehr als 6,5 Billionen Pfund. Deshalb muss Großbritannien sehr wohl wachsam sein, was die Risiken von Bankenkrisen angeht und die Kettenreaktionen, die sie auslösen – denn genau das sind die Aussichten, mit denen sich Europa gerade konfrontiert sieht ... Einmal abgesehen von einer Handvoll britischer Beamter, die das Ganze mit wachsender Sorge verfolgen, ist die Unbekümmertheit nahezu skandalös.

Die Pariser Zeitung Le Monde meint zu demselben Thema: Von den Banken zu fordern, dass auch sie ihren Teil dazu beitragen, das griechische Chaos zu ordnen, berücksichtigt die moralische Dimension des Geschehens: Diejenigen, die Griechenland in der Vergangenheit finanziert haben, ohne nachzudenken, müssen die Konsequenzen tragen. Es ist auch verständlich, dass die Wähler im Norden Europas es leid sind, ein Land zu finanzieren, das ihnen in der Sackgasse zu stecken scheint. Und schließlich ist da das chirurgische Argument: Man schneidet den Tumor heraus und man fängt von vorn an. In Wirklichkeit gilt es, weiter vorauszuschauen. Es wird nicht reichen, diesen einen Brand zu löschen. Die Krise reicht tief und das Feuer wird beim kleinsten Windstoß wieder aufflammen ... Die Europäische Zentralbank hat recht. Lediglich langfristige Lösungen können das Übel wirklich mit der Wurzel beseitigen. Es gilt also, Griechenland weiter zu helfen, allerdings indem man gleichzeitig seine Reformen und die Einhaltung des Sparkurses überwacht. Und vor allem, indem man die Wirtschafts- und Finanzpolitik in der Eurozone neu erfindet.

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