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kommentiert den Einfluss von Ratingagenturen:

Die Rating-Agenturen haben eine Mitschuld am Absturz der Märkte im Herbst 2008, denn nur wegen ihrer Bewertungen fanden sich jahrelang Käufer für Ramschpapiere, die verboten gehört hätten. Die Forderungen europäischer Politiker, Rating-Agenturen stärker zu beaufsichtigen, sind gefährlich. S & P, Moody’s und Fitch übernehmen eine wichtige Aufgabe, wenn sie über die Bonität der EU-Staaten urteilen, auch wenn die Urteile schmerzen: Sie schaffen Transparenz für Investoren, die deren Anleihen kaufen. In den USA sind sich die Rating-Agenturen und die großen Banken zu nah. Europäische Politiker diskutieren nun über die Einrichtung einer offiziellen europäischen Rating- Agentur. Dabei sollten sie froh sein, dass die drei Branchenführer in Amerika sitzen.

aus Turin widmet sich der Ankündigung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi, bei der Parlamentswahl 2013 nicht mehr kandidieren zu wollen: Regierungen fallen auf zweierlei Art und Weise: Entweder weil sie von der jeweiligen Opposition besiegt werden oder weil sie sich von innen auflösen. Im ersten Fall kann der Sturz brutal sein, doch dürften die Sieger rasch zu einer alternativen regierenden Klasse werden können. Im zweiten Fall kann der Todeskampf lange dauern und sehr gefährlich sein, weil er das Land ohne Führung lässt – als Spielball der Ereignisse. Wie leicht vorauszusehen war, folgt das Ende des Berlusconismus in Italien dem zweiten Schema. Ein Modell, was mit anderen Worten auch als Auflösung ohne Lösung beschrieben werden könnte.

aus London, die ebenso wie die „News of the World“ zum Medienunternehmen von Rupert Murdoch gehört, kommentiert die Abhöraffäre in Großbritannien: Oberstes Ziel muss es nun sein, ohne weiteren Schaden an unseren Grundrechten die Presse zu reformieren. Dieser Skandal zeigt, dass die Medien sich schärfer selbst beschränken müssen, sie müssen auch ermitteln und Fehlverhalten bestrafen können. Kontrolle von außen würde denjenigen in die Hände spielen, die eine zahnlose Presse wünschen. Dazu gehören Politiker, die gern den Skandal über die Spesen unserer Abgeordneten aus den Schlagzeilen gehalten hätten, ebenso wie Pharma-Hersteller, die Menschenleben zerstören und korrupte Funktionäre, die den Weltfußball beherrschen. Premier David Cameron steht nun unter großem politischem Druck und muss sich Forderungen beugen, die Presse zu neutralisieren. Dieser Weg führt direkt zu Korruption, Gefälligkeit und einer ungesunden Demokratie.

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