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aus Paris kommentiert die Abstimmung über den Euro-Rettungsschirm im deutschen Bundestag:

Wenn es noch eines Beweises für die Entschlossenheit der Europäer bei der Verteidigung der Einheitswährung bedurft hätte, dann hat ihn Deutschland mit Erfolg erbracht. Die Abgeordneten dieses tugendhaften, gewissenhaften und reichen Landes haben gestern massiv für den Euro-Rettungsschirm zur Rettung eines darniederliegenden Griechenlands gestimmt. Man muss den politischen Mut von Angela Merkel anerkennen, die die Zukunft ihrer Koalition auf einem in Deutschland derart riskanten Terrain aufs Spiel gesetzt hat. Wenn die Wahl des Bundestags unbestreitbar einen ganz persönlichen Sieg der Kanzlerin darstellt, dann ist es aber auch einer für Europa.

meint dazu: Die deutschen Bürger haben der Beteuerung von Kanzlerin Merkel, man müsse in dieser Krise in erster Linie Zeit kaufen, erstaunlich lange vertraut. Dabei hat sicherlich geholfen, dass die Wirtschaft in den vergangenen eineinhalb Jahren ausgezeichnet lief. Von der Euro-Schuldenkrise war in Deutschland an der Basis nichts zu spüren … Die Lage hat sich allerdings grundlegend geändert. Zum einen ist die Verunsicherung in der Bevölkerung markant gestiegen. Wo soll die Euro-Rettung, die jetzt seit eineinhalb Jahren eskaliert, denn einmal enden? Zum andern haben sich die wirtschaftlichen Aussichten spürbar eingetrübt. Eine Rezession ist zwar keinesfalls absehbar, doch deuten die meisten Indikatoren auf eine Abkühlung des Wirtschaftswachstums in Deutschland hin. Das ergibt eine gefährliche Mischung.

aus Madrid widmet sich auch dem Thema: Während der eineinhalb Jahre dauernden schlimmsten Episode der europäischen Schuldenkrise haben sich die Zweifel über die europäische Führung und die Tatkraft der deutsch-französischen Lokomotive vermehrt. Und ob Bundeskanzlerin Angela Merkel einen nationalistischen Egoismus zugunsten eines deutschen Europas statt eines europäischen Deutschlands befürwortete. Die Abstimmung gestern im Bundestag, bei der eine überwältigende Mehrheit sich für die Erweiterung des europäischen Rettungsfonds für Länder mit einer schweren Schuldenkrise aussprach, verändert all diese Ängste im positiven Sinne.

schreiben über die Auswirkungen der Entscheidung auf die schwarz-gelbe Koalition: Im Bundestag machte am Donnerstag das ominöse Wort die Runde, dass das Eurokrisenmanagement zu einem „Fortsetzungsroman“ werden könnte. Merkel, die nach eigenem Bekunden 70 Prozent ihrer Arbeitszeit dem Euro widmet, weiß mittlerweile, dass es zur Lösung dieser Krise mehr Europa braucht. Aber ihr Koalitionspartner FDP bleibt in dieser Frage ein unsicherer Kantonist. Die Liberalen verzeichnen miserable Umfragewerte und stecken in einer Existenzkrise. Die Euro-Kritiker streben weiterhin einen Mitgliederentscheid über die Euro-Rettung an. Keineswegs sicher ist, ob Parteichef Philipp Rösler den von den Rebellen gewünschten Kurswechsel in der Euro-Frage abwenden kann.

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