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Die Neue Zürcher Zeitung kommentiert die Proteste gegen die Finanzwirtschaft in New York:

Die Bewegung „Occupy Wall Street“ macht die Banken für die gegenwärtige Krise in den USA verantwortlich. Sie fordert eine scharfe staatliche Kontrolle der Finanzwirtschaft und höhere Steuern für Gutbetuchte. Es zeichnet sich ab, dass der Funke auf Europa überspringt – erste Kundgebungen haben bereits stattgefunden. Sie finden in einem delikaten Moment statt, weil sich manche europäische Staaten gerade mit dem Gedanken vertraut machen, dass sie den Banken nochmals mit vielen Milliarden unter die Arme greifen müssen. Das gibt dieser Bewegung Auftrieb. Der populistische Protest bleibt somit nicht mehr das Privileg rechtsnationaler Kreise, die gegen Ausländer und Brüssel wettern, sondern jetzt auch linker Gruppierungen, die den Banker als Feindbild zelebrieren.

Le Monde aus Frankreich spekuliert darüber, ob der nächste Steve Jobs ein Chinese sein wird: Die Chinesen holen jetzt in der Schuldenkrise ihre Wissenschaftler nach Hause, die in den besten amerikanischen Forschungszentren ausgebildet wurden und investieren massiv in die Forschung. Doch China hat es bisher nicht geschafft, die Erfolgsrezepte von Silicon Valley umzusetzen. Das betrifft die Konzentration von Intelligenz, Kapital und Industrie in einer Region. Erfindung und Erneuerung sind vor allem eine Frage der Kultur und der Philosophie. Diese Elemente können sich nur in einem Klima des freien Wettbewerbs und des freien Austauschs von Ideen zu ihrem vollen Potenzial entwickeln.

Die britische Sonntagszeitung „The Sunday Times“ kommentiert die gelockerte Geldpolitik in Großbritannien: Der Gouverneur der Bank of England hat bei seiner Ankündigung, 75 Milliarden Pfund frischen Geldes zu drucken, einen schweren taktischen Fehler gemacht. Die Lockerung der Geldpolitik soll nach Meinung der Zentralbank Vertrauen wiederherstellen. Doch der Gouverneur hat mit seiner Aussage, dies sei die schlimmste Krise aller Zeiten, einen Vertrauensgewinn zunichte gemacht. Und was die Wachstumsstrategie der Regierung anbelangt, so entwickelt sie sich zu einer politischen Version von „Warten auf Godot“. Es passiert einfach nichts und die Koalition bleibt in diesem Punkt sehr verwundbar. Ob dies die schwerste Krise in der Geschichte Großbritanniens ist oder nicht, Geld zu drucken bringt keine Lösung.

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