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Die Tageszeitung Le Monde aus Paris beschäftigt sich mit dem Spitzentreffen von Angela Merkel und David Cameron:

London hat entschieden, nicht zur Euro-Zone zu gehören, aber es fordert nun, an deren Entscheidungen mitzuwirken. Premierminister David Cameron beteuert, in der EU bleiben zu wollen, aber sein Finanzminister, der eine ziemlich eigenartige Vorstellung von Solidarität zur Schau stellt, vergleicht die Situation Frankreichs mit der Griechenlands. Wie sagte Margaret Thatcher? „Enough is enough.“ Im aktuellen Klima beschädigt die ewige britische Zwitterhaftigkeit jeden Tag mehr Europa.

Der Independent aus London schreibt über dasselbe Thema: Es ist, vorsichtig ausgedrückt, ein ziemlich ärmliches Bild von Großbritannien, wie es sich in seiner Reaktion auf den Besuch des Premierministers in Berlin zeigt. Niemand begrüßte die Anstrengungen des größten und reichsten Landes Europas, die Krise der Euro-Zone anzugehen. Stattdessen wurden dieselben, feindseligen Deutschland-Stereotype wie immer abgespult. Die Anspielungen auf Nazis und Springerstiefel häuften sich. Es ist nicht die Schuld von Deutschland, dass unsere Schulbücher nur jenes eine, verheerende Kapitel der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts enthalten (...). Die Größe und wirtschaftliche Bedeutung Deutschlands lassen das Land zum Schlüssel werden für jede Lösung der Euro-Krise – eine Realität, der sich Frau Merkel mit großem Verantwortungsbewusstsein stellt, den stärker werdenden innenpolitischen Widerständen zum Trotz. Es ist ein Jammer, dass wir nicht erwachsen genug sind, das auch zu tun.

Die New York Times kommentiert den Einfluss der EU auf die Innenpolitik ihrer Mitgliedstaaten: Der technokratische Putsch in Griechenland und Italien hat die Macht gezeigt, die die EU bereits auf die Innenpolitik ihrer Mitgliedstaaten ausüben kann. Und wenn Deutschland die Schuldenkrise des Kontinents effektiv aufhalten und das Europäische Projekt retten kann, dann ist schwer vorstellbar, warum sich die Gruppe der Euro-Zonen-Länder darauf einigen sollte, diese Macht zu beschneiden. Aus amerikanischer Perspektive ist ein zentralisiertes und undemokratischeres Europa dem Risiko einer neuen Rezession klar vorzuziehen. Für die stotternde Weltwirtschaft wäre es katastrophal, wenn ein Ausbruch von Nationalismus die gemeinsame europäische Währung zerbrechen würde. Aber wir haben leicht reden: Es ist schließlich nicht unsere nationale Selbstbestimmung, die hier auf dem Spiel steht.

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