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aus Wien schreibt zur Herabstufung Österreichs und die Euro-Krise:

Nun muss Europa die Suppe auslöffeln, die keine Ratingagentur, sondern die Union sich selbst eingebrockt hat. Der Verlust der Top-Bonitätsstufe mag zwar kein Beinbruch sein – AAA sei ohnehin eine aussterbende Spezies, kommentierte ein Analyst –, er kommt aber zur Unzeit. Der ohnehin aus Sicht der Märkte unterkapitalisierte Rettungsfonds EFSF braucht nun zusätzliche Garantien, was angesichts der Widerstände in den einzelnen Euroländern kein leichtes Unterfangen ist. Die jüngsten Vorgänge sollten nun keine Zweifel mehr daran bestehen lassen, dass sich die Eurozone nur selbst aus den Fängen der Finanzmärkte befreien kann. Erst wenn die Schulden deutlich gesenkt und keine neuen gemacht werden, wird Ruhe einkehren. Auch ein Ende des Geredes vom Kaputtsparen wäre angebracht, denn nur eine Rosskur kann die angeschlagenen Länder wieder zu Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit verhelfen. Gezögert wurde lange genug.

aus Paris kommentiert Frankreichs Verlust der Höchstwertung: Die Herabstufung war gewiss keine Überraschung, doch diese Entscheidung von Standard & Poor’s kommt wie ein wirklicher politischer Elektroschock. Bestraft wird damit ohne Gewissensbisse die französische Wirtschaftspolitik dieser letzten Jahre, eben die des Staatschefs. Nicolas Sarkozy hat zu spät erkannt, dass er die Defizite verringern und die Verschuldung bekämpfen muss. Paris wird nun in den kommenden Verhandlungen mit Berlin geschwächt. Die Ratingagenturen haben dem Präsidenten seine Angriffe gegen sie während der Krise der Subprimes übelgenommen. Vielleicht ist die Herabstufung auch ein wenig ihre Revanche. Die Linken brauchen sich nicht zu freuen. Die Zeiten sind hart und werden für diejenigen noch härter, die die Präsidentenwahl gewinnen.

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