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meint zur Lage der arabischen Welt:

Wenn das blutige Ringen in Syrien in einen Sieg der sunnitischen Mehrheitsbevölkerung münden sollte, wird Damaskus möglicherweise von konservativen Religiösen dominiert sein und unter dem Einfluss der Golfmonarchien stehen. Dass sich ein solches Regime westlichem Demokratieverständnis verpflichtet fühlt, ist nicht anzunehmen. Das ist übrigens auch im Irak nicht anders, wo das Endziel einer gefestigten Demokratie in weiter Ferne liegt. Diese Verschiebung im regionalen Machtverhältnis dürfte von den sunnitischen Erbmonarchien am Golf nicht hingenommen werden. Das traurige Erwachen nach einem Jahr der arabischen Revolte bestätigt eine in der Region hinlänglich bekannte Regel: Wer über genügend Öl und Erdgas verfügt, braucht sich um seine Zukunft wenig zu sorgen.

aus Paris kommentiert den französischen Wahlkampf: Die Meinungsumfragen geben dem sozialistischen Kandidaten François Hollande immer noch einen sicheren Vorsprung im zweiten Wahlgang. Doch kein Sozialist glaubt daran, dass ihr Kandidat diesen Vorsprung bis zum Urnengang halten kann. Der Abstand zwischen beiden Konkurrenten verringert sich vielleicht auch deshalb, weil Nicolas Sarkozy die Strategie des ständigen Ausweichens seines Gegenspielers in den Vordergrund stellt. François Hollande stellt seinen Wahlkampf auf die Opposition zu Sarkozy ab. Er meint, so gewinnen zu können. Sollten die Meinungsumfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen oder gar einen Vorsprung für Sarkozy vorhersagen, dann wird Hollande endlich von konkreten Projekten reden müssen. Darauf wartet Sarkozy nur.

aus Wien schreibt zum Acta-Abkommen: Es grenzt an Selbstironie, wenn wir Zeitungsleute, die wir eineinhalb Jahrzehnte lang unsere Inhalte kostenlos ins Netz gestellt haben, in unserer Argumentation für die Acta-Ratifizierung beklagen, dass „geistiges Eigentum keinen materiellen Wert hat“. Ein „digital native“ kann daraus nur einen Schluss ziehen: Zuerst haben sie nicht verstanden, was vor sich geht, und jetzt, da sie verstehen, dass sie es nicht verstanden haben, drehen sie uns einfach das Netz ab – weil sie die Macht dazu haben.

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