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Die israelische Zeitung „Haaretz“ kritisierte am Montag die Entscheidung, Günter Grass wegen seines kritischen Gedichts die Einreise zu verbieten:



Die Gefühle sind verständlich, aber es ist schwer, die Überreaktion zu akzeptieren. Wenn der Innenminister sagt, er schlage Günter Grass vor, seine falschen und verqueren Werke vom Iran aus zu verbreiten, weil er dort ein begeistertes Publikum habe, versteht er gar nicht die Ironie seiner Worte. Denn es ist gerade seine Entscheidung, Grass wegen eines Gedichts nicht nach Israel einreisen zu lassen, die eher für düstere Regime wie den Iran und Nordkorea typisch ist. Grass, ein Literaturnobelpreisträger, hat nicht mehr getan, als ein Gedicht zu schreiben. Der Staat Israel hat durch seinen Innenminister auf hysterische Weise reagiert. Es scheint, dass es eher um eine unerwünschte Person als um eine unerwünschte Politik gehen sollte.

„El Mundo“ aus Madrid schreibt zu dem Thema:

Das von Israel verhängte Einreiseverbot für Günter Grass bringt die Debatte in einen Bereich, in den sie nicht hingehört. Der Autor hatte seine Autorität als moralische Referenz der europäischen Linken bereits mit seinem Eingeständnis verspielt, dass er im Zweiten Weltkrieg der SS angehörte. Seine antisemitischen Faseleien nun als Staatsaffäre zu behandeln, ist übertrieben. Die Kontroverse hätte niemals den intellektuellen und akademischen Rahmen verlassen dürfen. Und dort hat Grass sich bereits selbst disqualifiziert.

Das „Wall Street Journal“ aus New York meinte in der vergangenen Woche zu dem Gedicht:

Einiges davon sind Streitworte. Die wirkliche Provokation von Grass ist, dass ein Deutscher Israel nicht kritisieren kann, ohne als antisemitisch zu gelten und dass dies inakzeptabel sei. Die Anspielungen im Gedicht zu „schweigen“ rufen bekannte, öffentliche Gespräche über Vergangenheitsbewältigung hervor und unterstellen so ein unausgesprochenes Verbot der Kritik an Israel im heutigen Deutschland, ähnlich dem Nachkriegs-Tabu einer Erwähnung der „Endlösung“. Sie erinnern aber jeden Leser, der sich mit der Biografie von Grass auskennt, daran, dass er selbst jahrelang geschwiegen hat und nicht erwähnte, in der Waffen-SS gedient zu haben.

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