KIOSK : KIOSK

Die „Neue Zürcher Zeitung am Sonntag“ aus der Schweiz kommentiert das neu erwachte Interesse der USA an Europa:

„Europa genießt plötzlich einen hohen Stellenwert im Denken und Handeln der Regierung Obama, die sich auch intensiv um eine gewisse Angela Merkel bemüht. So lud der Präsident die Kanzlerin nach dem Gipfel der G-8-Staaten vor einem Monat erstmals zu einem Privatgespräch ein, und am Treffen der G-20 vor einigen Tagen hielten die zwei ebenfalls ein Privatissimum ab. Weshalb? Obama hat realisiert, dass die Euro-Krise eine Rezession in den USA auslösen und so seine Chancen auf eine Wiederwahl ruinieren könnte. Für eine Weltregion, die soeben noch als bedeutungslos abgeschrieben wurde, ist das ein erstaunliches Comeback. Obama hätte besser schon früher Wirtschaftsstatistiken studiert: Hier ließe sich problemlos ablesen, dass der alte Kontinent immer noch ein wirtschaftlicher Riese ist. Die Zukunft liegt eben nach wie vor auch in Europa.“

„Dernières Nouvelles d’Alsace“ aus Straßburg kommentiert das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich:

„In dieser Krise, die das Überleben unserer gemeinsamen Währung gefährdet, scheint Berlin sein preußisches Rezept „Am (wirtschaftlichen) deutschen Wesen soll die Welt genesen“ herauszuholen. Frankreich verhält sich nicht viel besser mit seiner ideologischen Maginot-Linie über Euro-Bonds und neuen Vorgaben für die EZB in Frankfurt. Wohl wissend, dass Deutschland dies nach seiner Verfassung niemals akzeptieren könnte. Auf dem Vierer-Gipfel in Rom hat man sich auf etwa 100 Milliarden Euro für das Wachstum in Europa geeinigt. Doch wichtiger als Geld wäre ein wirklicher politischer Wille, Reformen im Sinn einer Wirtschaftsregierung für ganz Europa in die Wege zu leiten. Vielleicht passiert das auf dem Gipfel am 28. Juni, den man entscheidend nennt.“

„Le Monde“ aus Paris schreibt zum selben Thema:

„Dieses Thema enthält eine Menge Sprengstoff, da die öffentlichen Meinungen in Europa nicht wirklich bereit sind, sich in ein großes übernationales Gebilde einzufügen. In Deutschland und Frankreich gibt es historisch bedingte Widerstände. Die Deutschen sind immer noch belastet durch die Hyperinflation der 1920er Jahre. Deshalb lehnen sie die finanzielle Solidarität ab, ohne die der Euro nicht überleben kann. Die Franzosen haben ihre Probleme mit der Abgabe von Souveränität. Sie wollen beim Aufbau Europas nicht die gemeinsamen Regeln akzeptieren.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben