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Nach seinen Besuchen in Berlin und Paris ist der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras wieder in seine Heimat zurückgekehrt. Die dortige Presse zeigt sich erleichtert über das Ergebnis, wenn auch nicht euphorisch:

„Macht mal, und dann sprechen wir uns wieder ...“, titelte die Athener Sonntagszeitung „To Vima“. Die Zeitung „Kathimerini“ kommentiert: „Das europäische Ultimatum ist mehr als klar: Die Zeit der Worte ist endgültig vorbei.“ Die Kanzlerin habe zwar ein „Vertrauensvotum“ für die Regierung Samaras abgegeben, aber sie erwarte nun, dass es nicht nur bei Versprechungen bleibe. Das Massenblatt „Ta Nea“ titelte: „Ein guter Anfang – das Eis ist gebrochen“. Das ist eine Anspielung auf das bisher keineswegs harmonische Verhältnis zwischen Merkel und Samaras. Als Oppositionsführer hatte sich Samaras zunächst dem Spar- und Reformkurs, den der sozialistische Premier Giorgos Papandreou im Frühjahr 2010 einschlagen musste, schroff verweigert. Samaras stimmte im Parlament sogar gegen die Hilfskredite und isolierte sich damit in der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP). „Völlig unverständlich“ finde sie die Politik des Griechen, kritisierte Merkel damals – in der Sprache der Diplomatie ein vernichtendes Urteil. Samaras selbst zeigt sich zufrieden mit den Besuchen. Griechenland sei dabei, allmählich seine Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, sagte der Premier nach seiner Rückkehr im Staatsradio NET. Die griechische Opposition sieht das anders. Samaras habe „alles gegeben und nichts bekommen“, kritisiert die linksradikale Partei Syriza. Die neofaschistische Partei „Goldene Morgenröte“ meint, die „deutsch-französische Achse“ wolle das griechische Volk „in die Verelendung treiben“. Und die stalinistische Kommunistische Partei Griechenlands rief die Bevölkerung gar zum „Aufstand“. öhl

Aus Sicht der französischen Presse war der Doppelbesuch des griechischen Premiers in Berlin und Paris auch eine gute Übung für die deutsch-französischen Beziehungen. Die Zeitung „Le Monde“ schreibt, Angela Merkel und François Hollande hätten sich bei ihrem Vorbereitungstreffen am vergangenen Donnerstag sichtlich bemüht, „mit der Dramatisierung zu brechen, die deutsch-französische Treffen in den vergangenen Jahren umgeben hat“. Die Wochenzeitung „Le Nouvel Observateur“ lobt, Deutschland und Frankreich hätten gegenüber dem griechischen Premier auf effektive Weise die Rollen guter Cop und böser Cop gespielt. Während Frankreich sich verständnisvoll zeige, bleibe Deutschland unbeweglich. Selbst der konservative Figaro lobt, Hollande habe endlich verstanden, „dass die deutsch-französischen Beziehungen kein innenpolitisches Werkzeug sind.“ as

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