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kommentiert die Bombenexplosion im Libanon:

Syrien exportiert seit einigen Wochen den eigenen Konflikt in die Nachbarländer. Erst in die Türkei, jetzt auch in den Libanon. Um noch mehr Verwirrung zu stiften. Die Machthaber in Damaskus spielen ihre letzten Karten aus, um den internationalen und innenpolitischen Druck zu verringern. Sie nutzen die altbekannte Taktik des Gegen-Aufstandes, ohne jede Skrupel wegen der Folgen. Niemand lässt sich durch die halbherzigen Leugnungen Baschar al Assads in die Irre führen. Mit dem Tod (des Geheimdienstfunktionärs) al Hassans hat er einen seiner schärfsten Gegner aus dem Weg geräumt und der Opposition im Exil gezeigt, dass seine Fähigkeit Schaden anzurichten trotz des Bürgerkriegs noch intakt ist. Im Pulverfass Nahost hat der Libanon eine sehr kurze Lunte.

meint zur Kanzlerin: Eine wundersame Verwandlung ihrer Regierungschefin konnten diese Woche die deutschen Wähler beobachten. Die Bundeskanzlerin Merkel, deren Europareden vor dem Bundestag bis vor kurzem tönten wie fade Pflichtübungen vor einem längst überzeugten Plenum, engagierte sich in ihrer Rede plötzlich für einen konkreten Plan und drückte dies auch noch in klaren Worten aus. Sie weiß eben, dass der politisch hellwache und rhetorisch zupackende Peer Steinbrück als Kanzlerkandidat der SPD sogleich jede ihrer Schwächen ausnützen könnte. Die Folge ist in Berlin ein offener, klarer Streit der Ideen. Nichts beflügelt müde und teigig gewordene Amtsinhaber mehr als Konkurrenz. Dem Wahlkampf sei Dank.

aus London schreibt zum EU-Gipfel: Man hat die Einzelheiten den Finanzministern überlassen. Dabei gibt es viele Freiräume für die Vorstellungen derjenigen, die dem Konzept der Bankenaufsicht skeptisch gegenüberstehen. Was bleibt, ist eine schwache politische Situation, die kaum gewappnet ist gegen den nächsten Sturm, der die Eurozone heimsuchen könnte – entweder durch eine Abschwächung der chinesischen Wirtschaft oder in Form einer Rezession in den USA in zweistelliger Höhe.

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