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meint zum Rücktritt des Papstes:

„Es ist Größe und Tragik zugleich: Nur mit seinem Rücktritt sprengt Benedikt die Ketten der Tradition, überall sonst hat er an diese Ketten nicht gerührt, da und dort hat er sie sogar verstärkt; nur dieses eine Mal wächst er über sich, über sein Herkommen, sein traditionelles Verständnis von Kirche hinaus … Ecclesia semper reformanda, Kirche ist immer reformbedürftig; so heißt ein Satz, der oft Augustinus, oft Martin Luther zugeschrieben wird. Einerlei. Wenn es zu ihrem Wesen gehört, sich ständig zu erneuern, hat sie das Wesentliche lange vergessen. Die Kirche war selten so reformbedürftig wie am Ende des Pontifikats Benedikts.“

aus London schreibt zum gleichen Thema: „Der Rückzug von Papst Benedikt war schon seit längerem geplant – Rowan Williams, der frühere Erzbischof von Canterbury wusste davon schon vor Weihnachten – ist aber dennoch ein eindrücklicher Schock für die übrige Welt. Während des langen Siechtums von Papst Johannes Paul II. war Benedikt als Kardinal Ratzinger dessen rechte Hand. Diese Erfahrung hat bei ihm vielleicht zu der Einsicht geführt, das Amt zu verlassen, so lange er noch in der Lage ist, seine Pflichten zu erfüllen. Die moderne Medizin verträgt sich nicht allzu gut mit autokratischen Herrschaftsformen, die sich traditionell durch den Tod oder durch Krankheiten erneuern – und das Papsttum bleibt die letzte absolute Monarchie in Europa. Die Rücktrittserklärung Benedikts lässt sich durchaus als Abgrenzung zur Auffassung seines Vorgängers verstehen, der im Festhalten an der Macht selbst in der Krankheit eine Verkörperung des Leidens Christi gesehen hatte.“

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