KIOSK : KIOSK

Seit Anfang Oktober kennen die amerikanischen Medien kaum mehr ein anderes Thema: die US-Haushaltskrise. Auch an diesem Wochenende, dem Wochenende vor der Deadline für eine Entscheidung am 17. Oktober, konzentrieren sich Berichterstattung und Kommentare auf das politische Patt. Die Meinungsäußerungen klingen zunehmend bitter.

Die „New York Times“ meint:

Sie haben das Unmögliche geschafft. Sie haben es geschafft, dass die Amerikaner mit relativer Nostalgie auf die Ära Bush II zurückblicken, die rücksichtsloseste Abrissbirne in der amerikanischen Geschichte. 78 Prozent der Amerikaner sind erschüttert darüber, dass ihr Land vom Weg abgekommen ist. Das belegt eine Umfrage von NBC News in Zusammenarbeit mit dem Wall Street Journal. Viele sind inzwischen der Meinung, dass die imperialistischen Alleingänger in der republikanischen Partei immer noch besser sind als die narzisstischen Anarchisten. Was große Desillusionen angeht, scheint globale Dominanz immer noch besser dazustehen als Selbstauslöschung. „Wenn ich jetzt im Senat wäre, würde ich mich umbringen“, sagte der (republikanische Politiker) Christ Christie am Freitag.

Die „Washington Post“ wird ebenfalls zynisch:

Wenigstens war das Ganze bislang ein einziges politisches Blutbad für die republikanische Partei. Und vielleicht ist es genau das, was es braucht, um das politische System wieder in Ordnung zu bringen: Die Versuche, Obamacare untergehen zu lassen, mussten auf diese Art und Weise gegen die Wand fahren, damit die Führungspersönlichkeiten in der republikanischen Partei endlich den Mut finden, sich gegen die Dickschädel von der Tea Party aufzulehnen, und damit die Größen aus dem Wirtschaftsleben endlich aufhören, eine kleine Bande von rechten Aktivisten finanziell zu unterstützen, deren Interessen eigentlich im Widerspruch zu ihren eigenen Interessen stehen. (...) Die Tea Party hat diese Konfrontation seit 2010 immer wieder gesucht, jetzt hat sie sie bekommen. Die Versuchung des Martyriums scheint einfach zu groß zu sein.

Immerhin, die Zeitung „USA Today“ druckt zur Verteidigung der Republikaner einen Gastbeitrag von Scott Powell. Powell arbeitet für eine christlich-konservative Denkfabrik, das „Discovery Institute“. Er ist der Meinung:

So durcheinander, wie die gegenwärtige Blockade der Regierungsausgaben und der Erhöhung der Schuldendeckelung auf den ersten Blick aussehen mag, es ist dennoch notwendig und konstruktiv, dass der Kongress seine Arbeit macht. Die Verfassung gibt dem Kongress das exklusive Recht, über den Haushalt zu entscheiden. Diese Haushaltsmacht ist die entscheidende Kontrolle, die der Kongress über die Exekutive ausüben kann – um zu verhindern, dass die Staatsschulden das Land finanziell ruinieren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben