Meinung :  KIOSK 

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Die Zeitung aus Paris kommentiert die Ausschreitungen in Griechenland: Die großen Familien, die sich seit Jahrzehnten an der Macht abwechseln – Karamanlis, Mitsotakis, Papandreou – und ihre Anhänger profitieren von einem System, dessen Profite nach dem Gießkannenprinzip lange Zeit auch einem großen Teil der Bevölkerung zugute kamen. Der Beitritt Griechenlands zur EU und dann die Globalisierung haben diese archaischen Beziehungen erschüttert. Innerhalb von 20 Jahren hat sich das Land rasch modernisiert, ohne jedoch seine schlechten Gewohnheiten abzuschütteln. Die Wirtschaftskrise trifft Griechenland nun mit voller Wucht. Die Jungen haben Mühe, Arbeit zu finden. Die Studenten bleiben noch nach 30 Jahren an der Universität, weil sie sich nicht auf dem Arbeitsmarkt wiederfinden wollen.

Die Zeitung aus Wien schreibt: Die zerstörerische Wut der griechischen Anarchisten entbindet sie nicht von der Verantwortung, die auch sie für den Tod des 15-jährigen Buben tragen. Seit Jahren finden es die Linksautonomen besonders lustig, Banken anzuzünden oder Polizisten anzugreifen. Irgendwann musste ein Unglück geschehen. Es ist schade um die kritische Energie dieser Jugendlichen (...). In demokratischen Gesellschaften stünden Millionen andere Wege offen, den Freiheitsdrang auszuleben, als hirnlose Katz und-Maus-Spiele mit der Polizei.

Die britische Zeitung meint: Man könnte in Versuchung geraten, die gegenwärtige Krise in Griechenland mit Begriffen griechischen Ursprungs zu karikieren: Lethargie, Paranoia, Manie und Anarchie – doch das wäre eine schwerwiegende Unterschätzung der Entschlossenheit der nüchtern denkenden Mehrheit, die die Unruhestifter und Schläger stoppen und gleichzeitig dringend nötige Reformen erreichen wollen. Griechenland hat der Welt neben vielen anderen Erbgütern die Demokratie gegeben. Es ist jetzt an der Zeit, die Demokratie neu zu beleben und verdienstvolle Personen an die Macht zu lassen, um die Zustimmung der Demonstranten zu gewinnen.

Die Tageszeitung aus der Schweiz kommentiert: Vom Ausmaß der Proteste überrascht, reagierte die konservative Regierung ratlos. Jetzt rächt es sich, dass der Ruf nach einer umfassenden Bildungsreform von der Regierung jahrelang ignoriert worden ist. In Griechenland ist der Anteil der Akademiker an der Gesamtbevölkerung einer der höchsten aller EU-Länder. Nach dem Abschluss finden die meisten keine Arbeit. Die Frustrationen nehmen zu. Im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise sind die Existenzängste vieler Jugendlicher noch größer geworden.

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