Meinung :  KIOSK 

Ganz schlimm sieht es mit der Kor ruption in Russland und China aus. Beide Länder liegen in der am vergangenen Dienstag in Berlin vorgestellten Studie der Antikorruptionsorga nisation Transparency International auf hinteren Plätzen. Nun steht der Gouverneur des US-Bundesstaates Illinois, Rod Blagojevich, unter massivem Korruptionsverdacht. Er soll versucht haben, den Senatssitz von Barack Obama meistbietend zu verkaufen. Wie kommentieren russische und chinesische Medien den Fall?

Einen direkten Zusammenhang zwischen dem Skandal von Illinois und dem Korruptionsrating von Transparency International konstruiert die russische Agrarwirtschaftszeitung „Krestjanskije Wedomosti“. Zwar habe Russland, so das Blatt, im Ranking „sogar so korruptionsnotorische Silber- und Bronzemedaillisten wie China und Mexiko abgehängt“. Betont werden müsse jedoch, „dass es absolut reine Westen in diesem Ranking nicht gibt. Und in den USA, die im Ranking Platz 9 belegen, zeigt der Skandal von Illinois ein weiteres Mal, dass schwarze Schafe sich auf der ganzen Welt finden.“

Hämisch kommentiert die staatsnahe „Rossiskaja Gaseta“, Blagojevich sei verhaftet worden, jedoch „nach Beibringung der bescheidenen Kaution von 4500 Dollar wieder nach Hause geschickt worden“. Blagojevich sei seit geraumer Zeit von FBI-Agenten abgehört worden, die „Dinge hörten, an die viele Amerikaner bis heute nicht glauben wollen“. Genüsslich wird aus den mit vielen F-Wörtern gespickten Telefongesprächen zitiert. Mit besonderer Häme berichtet die „Rossiskaja Gaseta“ schließlich, Blagojevich habe die Inhaber der Zeitung „Chicago Tribune“ aufgefordert, unliebsame Journalisten von ihren Aufgaben zu entbinden, und andernfalls mit dem Entzug staatlicher Unterstützung für die am Rande des Bankrotts stehende Zeitung gedroht – für die immer wieder wegen allzu großer Staatsnähe kritisierte „Rossiskaja Gaseta“ ein gefundenes Fressen. müh

Ausführlich berichten die Medien in China über den Sturz des gierigen Gouverneurs; auf den staat lichen Nachrichtenportalen ist der Fall die Auslandsmeldung Nummer eins. Es ist offensichtlich, dass der Korruptionsskandal der Kommunistischen Partei bestens ins Konzept passt. In Internetforen lassen viele Chinesen ihrer Schadenfreude freien Lauf. „Amerika sollte seine eigenen Problemen lösen und nicht noch einmal wagen, China Vorwürfe zu machen“, lautet ein Eintrag im Portal „Sohu“. Ein anderer Blogger schreibt: „Wie will Obama das Ansehen der USA verbessern, wenn schon die Politik in seiner Heimatstadt so verrottet ist?“ Kritischere Geister verwiesen allerdings darauf, dass China keinen Grund zu Häme hat. So schreibt die in Hongkong erscheinende „South China Morning Post“, Blagojevich habe in der Volksrepublik „ernsthafte Konkurrenz“. Die Zeitung berichtete von dem jüngsten Korruptionsfall im ostchinesischen Suzhou, wo ein Beamter den örtlichen Krabbenfischern jahrelang ihre besten Fänge abgenommen hatte, mit dem Argument, er müsse sie an die Führung in Peking schicken. In Wahrheit verkaufte er die Tiere und ergaunerte so umgerechnet 300 000 Euro.brb

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