Meinung :  KIOSK 

So bewerten internationale Zeitungen die Lage im Nahen Osten.

Über den israelischen Militärangriff auf den Gaza-Streifen schreibt die „Neue Zürcher Zeitung am Sonntag“:

Wenn eine hochgerüstete Militärführung in Israel Protagonisten der Hamas ausschalten will, hat sie dafür gewiss feinere Mittel zur Verfügung als die jetzt angewendete Praxis des kalkulierten Kollateralschadens. Wenn Strategen meinen, einen Hamas-Offiziellen töten zu müssen, haben sie dazu andere Möglichkeiten, als ein ganzes Appartementhaus in Schutt und Asche zu legen. Aber in Israel scheint die öffentliche Selbstkontrolle nicht zu funktionieren. Das politische Israel mit Verteidigungsminister Ehud Barak ist im Wahlkampf. Lediglich die üblichen Verdächtigen, wie einige Journalisten und Friedensbewegte, rufen zur Zurückhaltung auf. Geht das so weiter, wenn dann jetzt auch noch Bodentruppen nach Gaza einmarschieren, wird das vor allem der Hamas nützen.

Die in Wien erscheinende Tageszeitung „Der Standard“ kommentiert zum selben Thema :

Die Hamas ist eine jener undemokratischen Bewegungen, die fatalerweise durch den Wählerwillen an die Macht gekommen sind. Die Wähler hatten von allen anderen so genug, dass sie für die Ultras stimmten. Die Hamas wäre allerdings wohl wieder wegzubringen –

politisch, und nicht, indem die israelische Armee den Menschen in Gaza das Leben noch mehr zur Hölle macht. Wahrscheinlich kann Israel die Macht aller Radikalen unter den Palästinensern nur untergraben, indem es deren Leben einer Normalität annähert – keine Blockade in Gaza, kein Besatzungsregime im Westjordanland. Dann verlieren die Radikalen ihre Basis. Vielleicht. Das liefe auf einen gigantischen Vertrauensvorschuss der Israelis hinaus. Und angesichts der Natur ihrer Feinde kann man es nicht wirklich wagen, das von außen zu empfehlen. Aber alles andere wurde schon probiert.

Die niederländische Zeitung thematisiert die Rolle der USA im Nahostkonflikt: 

In der arabischen Welt sowie unter fortschrittlichen Amerikanern kommt es nicht gut an, dass Obama sich derartig zurückhält. Kritiker weisen darauf hin, dass der Demokrat sich seit der Wahl durchaus klar zu den Terroranschlägen in Bombay und zur Wirtschaftskrise geäußert hat. Im politischen Washington herrscht das Gefühl vor, dass Bush den israelisch-

palästinensischen Konflikt völlig vernachlässigt. Obama muss Schluss machen mit dieser „Hände weg“-Haltung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben