Meinung :  KIOSK 

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aus Moskau reagiert zurückhaltend auf Obamas Prager Rede: Prag war in einem regelrechten „Obama- Rausch“. So etwas gab es zuletzt vor 22 Jahren. Damals brachte der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow mit seiner Perestroika- Politik die Befreiung von der kommunistischen Partei und den sowjetischen Streitkräften. Nun verspricht Obama die Wiederherstellung der Weltordnung. Dabei wollen die USA in enger Zusammenarbeit mit Russland in den nächsten vier Jahren auch den illegalen internationalen Handel mit atomwaffentauglichem Nuklearmaterial beenden. Aber diese Zusammenarbeit könnte schwierig werden. Denn solange der Iran aus US-Sicht weiter eine atomare Bedrohung darstellt, will Obama an den Plänen für eine Raketenabwehr in Polen und Tschechien festhalten. Das hat er noch einmal klargemacht. Und das missfällt Russland.

blickt zurück auf den Nato-Gipfel: Der Gipfel hat mit Erfolgsmeldungen geendet, wie etwa jener über die Ernennung des dänischen Regierungschefs Fogh Rasmussen zum neuen Generalsekretär. Die ausnahmslos positiven Schlusskommentare stehen aber im Widerspruch zum wirklichen Geschehen. Im Fall Afghanistans scheint die Kluft zwischen Rhetorik und konkreten Vorhaben besonders groß. Die USA, die jetzt schon mehr als die Hälfte der ausländischen Soldaten in Afghanistan stellen, werden ihr Kontingent um 21 000 Männer und Frauen verstärken, und bereits tauchten Forderungen nach weiteren 10 000 Mann auf. Dass sich die europäischen Allianzpartner mit diesem Ungleichgewicht abfinden, ist zwar aus innenpolitischen Gründen verständlich; doch es steht in krassem Gegensatz zu jenen Beteuerungen aus Straßburg und Kehl, wonach Europa bereit und willig ist, seinen Teil der Verantwortung zu schultern.

aus Paris schreibt zu dem nordkoreanischen Raketenabschuss: Für US- Präsident Barack Obama besteht die Herausforderung darin, in seinen Reden Entschlossenheit zu dokumentieren gegen Nordkorea, das eine Gefahr bleibt. Gleichzeitig sollte er einen Verhandlungsspielraum behalten, um weiterhin eine Entwicklung zu ermöglichen. Wenn das nicht gelingt, könnte die neue multilaterale Weltordnung, die der Mieter des Weißen Hauses in Europa propagiert hat, nichts weiter als ein frommer Wunsch bleiben.

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