Meinung :  KIOSK 

Die konservative Pariser Zeitung schreibt zur Lage im Iran:

Die Protestwoche gegen die Fälschungen der Präsidentenwahl hat die Schleusen eines Volkszorns geöffnet, der nur schwer zu bändigen sein wird. Angesichts der weitverbreiteten Mobilisierung ist kaum anzunehmen, dass die Rede von Ayatollah Chamenei ausgereicht hat, um die Gemüter zu beruhigen. Der oberste Religionsführer hat nicht begriffen, dass die demonstrierende Menge nicht den einen oder anderen Kandidaten verteidigen will, sondern eine wirkliche Öffnung des Landes und mehr Freiheit verlangt. Die Krise der Islamischen Republik ist entstanden, weil die Iraner einen Ausblick auf eine Freiheit erhalten haben. Diese Krise ist noch lange nicht beendet.

Die Zeitung aus London meint zum selben Thema:

Die iranische Form der Massendemonstration spiegelt die Sehnsucht der Menschen wieder, dem Joch der Unterdrückung und den wirtschaftlichen Fehlern einer inkompetenten und nach innen gerichteten Regierung zu entfliehen. Regime können versuchen, die Macht des Volkes durch Gewalt und Zensur zu unterdrücken. Aber am Ende – wenn es etwas gibt, das wir in den vergangenen 20 Jahren gelernt haben– ist es die Macht des Volkes, die auch gewinnen kann.

Die römische Zeitung kommentiert:

Der oberste Führer im Iran hat mit einem Grabstein die Hoffnung auf eine ausgehandelte Lösung dieser Krise beerdigt, die durch das jüngste Wahlergebnis ausgelöst worden ist. Chamenei hat sich auf die Seite von Ahmadinedschad gestellt. Und seine Attacken auf die „Feinde“, die die Legitimität des Wahlprozesses infrage stellen, schließen auch die Tür für jedes Hoffen auf eine Annäherung zwischen dem Westen und der Islamischen Republik. Darauf aber hatte US-Präsident Obama gesetzt.

Das Blatt aus London meint:

Chamenei ist nicht das einzige Mitglied des Regimes, dessen Autorität beschädigt ist. Mahmud Ahmadinedschad saß bei der Freitagspredigt in der ersten Reihe wie ein Lehrer, der seine Klasse nicht mehr im Griff hat und der die Demütigung hinnehmen muss, dass der Direktor auftauchen muss, um ihn zu unterstützen. Was immer er auch ist: Ahmadinedschad ist nicht der Präsident aller Iraner, zu dem ihn Chamenei erklärt hat. Er ist ein gefährdeter und geschwächter Mann.

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