Meinung :  KIOSK 

Ausländische Stimmen zum Fernsehduell zwischen Merkel und Steinmeier

aus London kommentiert das Fernsehduell zwischen Kanzlerin Angela Merkel und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier: 

Bislang hat dieser schläfrige Wahlkampf kaum politische Leidenschaft aufflackern lassen. Deutschland scheint in eine Wahl zu schlafwandeln, die nach Einschätzung der meisten Menschen Merkel wieder ins Amt bringt. Die Annahme, dass Merkel gewinnt, birgt aber eine gefährliche Selbstzufriedenheit. Merkel fehlt das Feuer, sie vermittelt keine Visionen und die ruppige Rhetorik einer Wahlrede ist ihr zuwider. Vor vier Jahren hatte sie einen komfortablen Vorsprung verbraucht und bei den Wahlen beinahe gegen Amtsinhaber Gerhard Schröder verloren, der seine Partei aus dem Trübsinn riss. Wird das wieder passieren? Wird Steinmeier die Lücke schließen? Es sieht nicht danach aus. Steinmeier ist ein beinahe ebenso hölzerner Wahlkämpfer wie die Kanzlerin.

Er ist gehemmt in seinen Angriffen auf Merkels Leistung, weil er damit automatisch auch seine eigene Rolle in der großen Koalition angreifen würde.

meint auch, dass es sich um kein besonders „heißes Rededuell“ gehandelt habe:

Wie immer bei solchen Veranstaltungen ging es weniger um die im Grunde längst bekannten Argumente als um die Frage, wer besser abschneiden, wer den Platz als Sieger verlassen würde. Ein erster Eindruck brachte kein klares Ergebnis; auffallend war sicher, dass Merkel viel Biss zeigte und sehr erpicht darauf war, sich gegen die Moderatoren durchzusetzen. Damit versuchte sie dem Eindruck entgegenwirken, sie betreibe einen zu flauen, zu wenig engagierten Wahlkampf. Steinmeier wirkte grundsolide, sachlich und integer, blieb aber wenig mitreißend. Dass an diesem Abend die Fetzen fliegen würden, konnte allerdings niemand im Ernst erwarten. Für ein wirklich heißes Rededuell fehlten ganz einfach sämtliche Voraussetzungen.

aus Amsterdam ist der Meinung, dass die Fernsehdebatte den deutschen Wahlkampf spannender gemacht hat:

 Die Debatte hat den bislang mauen Wahlkampf spannender gemacht. Fast die Hälfte der Wähler scheint noch unentschieden zu sein. Alles ist noch offen. Merkel und der SPD-Außenminister hielten sich aber zurück. Dem Anschein nach waren sie nicht nervös, aber erfahrene politische Berater versicherten, dass sie so aufgeregt wie Rennpferde vor dem Start waren. Merkel will künftig mit den Liberalen regieren, betonte sie. Eine sichere Mehrheit gibt es für beide Lager nicht. So wurden scharfe Angriffe vermieden. Merkel und Steinmeier wollten die Atmosphäre nicht verderben, für den Fall, dass nach dem 27. September eventuell doch wieder eine große Koalition gebildet werden muss.

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