Meinung :  KIOSK 

Im Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ geißelt der französische Publizist Bernard Henri-Levy einige Legenden, die über den Kalten Krieg und den Mauerfall kursieren:

„Wir sind dabei, zwei Dinge miteinander zu verwechseln: Feigheit und Taubheit. Die Tatsache, dass man nichts hören wollte, mit der Tatsache, dass nichts gesagt worden wäre.

Die Haltung eines Kissinger, Brandt oder Giscard d’Estaing, die vor den Unterdrückten im Osten die Türe zuschlugen; die Haltung Thatchers oder Mitterrands, die, wie wir heute wissen, bis zum letzten Augenblick alles taten, um die Wiedervereinigung Deutschlands zu verhindern und die alte Ordnung zu retten; die Haltung schließlich eines intellektuellen Klerus, der in seiner übergroßen Mehrheit, in Schweden oder Norwegen wie in Frankreich, nichts über den fortdauernden Skandal zu sagen wusste, der die Hälfte Europas in einem Raum, einer Zeit und einer Zivilisation gänzlich anderer Art gefangen hielt – wir sind dabei, all das zu verwechseln mit der scheinbaren Stummheit, dem langen, stillen Grollen jener Völker, die dort im Osten längst alles verstanden hatten und nur auf den letzten Funken warteten, der ihnen den Mut gab zu sagen, dass der König, also die Diktatur, nackt war.

Diese Verwechslung ist schlimmer als ein Irrtum. Sie ist ein Fehler.

Sie ist schlimmer als ein Legende, sie ist Desinformation.“

Die konservative schwedische Tageszeitung „Svenska Dagbladet“ meint zu den Feiern in Deutschland zum 20. Jahrestag des Mauerfalls:

„Der Regen in Berlin am 20. Jahrestag des Mauerfalls war ein geringer Preis dafür, dass man beim Tanz auf dem Sarg der DDR-Gesellschaft dabei sein konnte. Es fühlte sich gut und wichtig an. Als ich aber später davon deutschen Freunden in Dresden berichtete, war ironisches Lachen die Reaktionen, weil die Feierei sie nach ihrer eigenen Auffassung nichts anging. Da, wo früher die DDR war, lebt offenbar eine Art Grenze nach Westen weiter, genährt durch soziale und wirtschaftliche Probleme und auch für den durchreisenden Besucher sichtbar.“

Die Nahostpolitik von US-Präsident Barack Obama sei erfolglos, meint die niederländische Zeitung „de Volkskrant“:

„Das Peinliche für Obama ist, dass er nun auf beiden Seiten den nötigen Kredit verspielt hat. In Israel gilt er als ein Präsident, der sich mehr um ein besseres Verhältnis zur arabischen und islamischen Welt bemüht, als um die Sicherheitsinteressen des jüdischen Staates. Viele arabische Politiker hingegen beschreiben ihn als einen Präsidenten, der sich am Ende trotz seiner schönen Worte in Kairo doch wieder der israelischen Unnachgiebigkeit beugt. Obendrein bleibt der Erfolg beim prekären Thema Iran aus. Die amerikanischen Annäherungsversuche, einschließlich eines redlichen Kompromissangebots für das iranische Atomprogramm, haben in Teheran keine Wirkung gezeigt.“

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