Meinung :  KIOSK 

Die „Sunday Times“ aus London schreibt aus Anlass des Tods des polnischen Staatspräsidenten Lech Kaczynski:

Polen hat nach unruhigen ersten Jahren der Demokratie als NatoPartner und als Mitglied der Europäischen Union eine positive Entwicklung erlebt. Im vergangenen Jahr hat Polen trotz der Rezession als einziges EU-Mitgliedsland positives Wirtschaftswachstum registriert. Der verstorbene Präsident Kaczynski war ein scharfer Kritiker von Putins nationalistischer Geschichtsbetrachtung, die jede klare Entschuldigung für die Taten der Vergangenheit ablehnt. Doch der derzeitige Premier Donald Tusk hat Freundschaft zu Deutschland geknüpft und verfolgt eine friedlichere Annäherung an Moskau. Der tragische Tod Präsident Kaczynskis wird vielleicht eine weitere Verbesserung der Beziehungen nach sich ziehen.

In der schwedischen Zeitung „Dagens Nyheter“ heißt es dazu:

Es ist schon aufsehenerregend, dass so viele führende Polen im selben Flugzeug geflogen sind, dazu noch in einem altersschwachen Modell, das westliche Fluggesellschaften nicht mehr nutzen. Was nun eingetroffen ist, muss man als nationale Tragödie bezeichnen. Eine großer Teil der Führung des Landes wurde ausgelöscht. Dennoch sind die Institutionen des demokratischen Polen weiter existent und funktionieren. Die russischen und polnischen Führungen müssen jetzt alles tun, um den Schatten der Tragödie möglichst einzudämmen.

Die Tageszeitung „Dernières Nouvelles d’Alsace“, die im französischen Straßburg erscheint, schreibt zum selben Thema:

Es gehört zu den grausamsten Ironien der Geschichte, dass der Präsident Polens und seine Begleiter auf dem Weg nach Katyn den Tod gefunden haben, an dem Ort des Massengrabs tausender polnischer Offiziere und Intellektueller, die von den Kommunisten ermordet wurden. Als ob diese entsetzliche Periode der Vergangenheit für Polen ebenso wie für Russland, das erste Opfer des Stalinismus, in Form einer Flugzeugkatastrophe in die Gegenwart geplatzt ist. Doch vielleicht wird das Massengrab von Katyn eines Tages zu einem Symbol anderer Art werden, zu dem einer echten Versöhnung zwischen beiden Ländern und zum größten Wohl des gesamten Kontinents.

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