Meinung : KIOSK

Über die ersten 100 Tage der Regierung Obama schreibt die in Zürich erscheinende Zeitung:

Seit langem war kein US-Präsident beim Amtsantritt mit größeren Problemen konfrontiert. Doch das eine hat dem anderen nicht geschadet. Im Gegenteil. Nach 100 Tagen im Amt zeigt sich, dass die Wirtschaftskrise Obama auch nützt. Sie hat übertriebene Erwartungen der Nation in ihren Präsidenten gedämpft und Verständnis für Verzicht geschaffen. Den größten Schub hat er bisher überraschenderweise in der Außenpolitik ausgelöst. Iran, China, Russland, Kuba – überall bemüht er sich, die jahrelange Erstarrung zu lösen und neue Verhältnisse zu schaffen. Das Ende des Lagers in Guantanamo ist angekündigt, ebenso das Ende von Folterungen bei Verhören. Obama schafft sich so Möglichkeiten.

Zum selben Thema meint die liberale Zeitung aus Wien:

Auf seiner Habenseite kann Obama sicher eine neue Stimmung

der Kooperation verbuchen. Das löst zwar noch keine Probleme, ermöglicht aber immerhin Fortschritte, die zuvor vor allem in den amerikanischen Außenbeziehungen durch George W. Bushs vernagelte Weltsicht undenkbar waren. Das lässt hoffen, dass von der Finanzkrise bis zum Atomstreit mit dem Iran einigermaßen kluge Entscheidungen gefällt werden. Auf Obamas Sollseite stehen die hohen Erwartungen in ihn. Er kann es sich nicht leisten, dass ihm zu viele der politischen Bälle, die er in der Luft hat, zu Boden fallen. Der neue US-Präsident muss nicht nur jonglieren wie ein Weltmeister, er muss vielerorts einen nachhaltigen Neuanfang setzen. Dann erst hat er ein dickes Plus in der Bilanz.

Die französische Zeitung kommentiert zu Obama:

Menschenrechtsorganisationen wundern sich über die Weigerung Obamas, der CIA ein für alle Mal die Gefangennahme Terrorverdächtiger in aller Welt zu verbieten. Obama zieht es vor, in die Zukunft zu blicken. Er will nicht als Mann der Spaltung und der Revanche gelten. Die Menschenrechtsorganisationen sollten sich gedulden. Das Pentagon will jetzt sogar Fotos misshandelter Häftlinge im Irak veröffentlichen. Welche Demokratie ist bereit, so etwas zu tun?

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