Meinung : Kirche ist kein Verein

„Ein Zwischenruf … zu den Kirchen“ von Ursula Weidenfeld vom 9. Mai

Es ist durchaus erfreulich, wenn Ursula Weidenfeld schreibt, dass wir in Deutschland „die großen Kirchen“ brauchen. Allerdings greift – jedenfalls was die römisch- katholische Kirche angeht – ihre Begründung zu kurz. Sie greift deshalb zu kurz, weil Frau Weidenfeld nur die weltliche Seite der Causa im Blick hat. Doch die katholische Kirche ist kein weltlicher Verein und keine politische Partei. Sie ist die Kirche Christi, und sie hat Sein Vermächtnis getreulich und unverkürzt durch alle Zeiten zu tragen. Das ist der Grund, auf dem sie steht. Sie soll jedem einzelnen Menschen den Weg in den Himmel weisen.

Mit anderen Worten: es geht um die alles entscheidende Frage, wie man nach dem Tod nicht in der ewigen Verdammnis landet. Wer das für Mumpitz oder Drohbotschaft hält: bitteschön, wir leben in einem freien Land. Aber man soll doch nicht so tun, als ob das noch irgendetwas mit einem katholischen Glauben zu tun hat, dessen Konsequenzen Jesus im Evangelium nach Johannes so formuliert hat: „Wenn ihr von der Welt stammen würdet, würde die Welt auch als ihr Eigentum lieben. Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum haßt euch die Welt.“

Leider haben auch viele Katholiken in Deutschland diese Hauptsache aus dem Blick verloren. Vom Zeitgeist benebelt, arbeiten manche – und leider nicht nur das Zentralkomitee der Katholiken – sogar unverdrossen daran, aus der katholischen Kirche eine Nichtregierungsorgainsation zu machen.

Ingo Langner, Berlin-Wilmersdorf

Frau Weidenfeld bestätigt der katholischen Kirche Stärke wegen der aggressiven Ablehnung demokratischer Strukturen, wenn nur die Grundsätze wie Glaube, Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit vor Gott und den Menschen stimmen. Der evangelischen Kirche wird dagegen vorgeworfen, um der Modernität willen oft ihre Positionen geräumt zu haben, um mithalten zu können; dass dies ihr nicht gut bekommen sein soll, erkennt Frau Weidenfeld anscheinend an den Kirchenaustritten.

Kirchenaustritte sind aber das einzige Mittel, mit dem kritische Christen ihre Kirche heute zur Toleranz bewegen können. Kirchenaustritt muss ja nicht Abkehr von Religion sein, im Gegenteil: Wenn man der örtlichen Gemeinde Geld zukommen lässt, dann wird man doch wohl auch wissen wollen, was damit gemacht wird.

Michael Dörr, Berlin-Schmargendorf

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