Kirche : "Wer glaubt, der zittert nicht"

Ein Porträt des künftigen Münchner Erzbischofs Reinhard Marx

Martin Gehlen

Er ist schlagfertig, diskussionsfreudig und versteht den Umgang mit den Medien. Auf die Nerven geht Reinhard Marx, der gerne kräftige Zigarre raucht, der verbreitete innerkirchliche Griesgram. „Man muss uns die Freude am Glauben wieder ansehen“, fordert der 54-jährige Bischof von Trier. Er selbst versteht sich als „Muntermacher im Glauben“, der „das Zeugnis eines fröhlichen und zufriedenen Priesters geben“ will. Nun allerdings verdichten sich die Anzeichen, dass der Sohn eines westfälischen Schlossermeisters demnächst von Trier nach München umziehen muss, um Nachfolger von Kardinal Friedrich Wetter zu werden. Der Münchner Bischofsstuhl zählt zu den bedeutendsten in Deutschland und ist in der Regel mit der Kardinalswürde verbunden. Papst Benedikt XVI. bekleidete ihn selbst von 1977 bis 1982.

Reinhard Marx, gelernter Professor für Christliche Gesellschaftswissenschaften, hat eine steile Karriere hinter sich. 1996 wurde er Weihbischof in Paderborn, danach Diözesanbischof in Trier, der ältesten deutschen Bischofsstadt. In München würde Marx nicht nur den Vorsitz der Freisinger Bischofskonferenz übernehmen, sondern auch Aussichten auf die Nachfolge von Kardinal Karl Lehmann an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz haben. Denn vor der Ära Lehmann wechselten sich die Kölner und Münchner Erzbischöfe in dieser Rolle ab.

Marx verkörpert ebenso wie der am Mittwoch frisch ernannte neue Oberhirte von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, einen beginnenden Generationswechsel unter den katholischen Oberhirten. Tebartz-van Elst ist mit 48 Jahren der jüngste deutsche Diözesanbischof. Er löst Franz Kamphaus ab, der Anfang Februar seinen Rücktritt in Rom eingereicht hatte.

Der sechs Jahre ältere Reinhard Marx fungiert in der Deutschen Bischofskonferenz seit langem als Sozialexperte. Theologisch, kirchenpolitisch und vor allem liturgisch denkt er konservativ. Als der Saarbrücker Theologieprofessor Gotthold Hasenhüttl am Rande des Ersten Ökumenischen Kirchentags 2003 in Berlin evangelische Christen zur Kommunion einlud, suspendierte er ihn von seinen Ämtern. 2006 war Marx Gastgeber des Katholikentags in Saarbrücken. Diese Erfahrung käme ihm für den Zweiten Ökumenischen Kirchentag 2010 in München zugute. Mit seinem Vorgänger Wetter verbindet ihn die Wertschätzung des Konzilspapstes Johannes XXIII. Beide zitieren gern dessen Satz: „Wer glaubt, der zittert nicht.“ Martin Gehlen

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