Klaus Engel, neuer Chef von Evonik : „Wir sind Zeugen einer Zäsur“

Kurz und launig war die kleine Ansprache, die Klaus Engel vor ein paar Tagen im Kreis der Aufsichtsräte hielt. „Wir sind Zeugen und Täter zugleich. Wir sind Zeugen einer Zäsur.

Alfons Frese

Denn der Spiritus Rector tritt ab.“ Gemeint war Werner Müller, der den Kohlekonzern und Subventionsempfänger RAG in gut fünf Jahren zu Evonik umgebaut hatte. Schon möglich, dass sich Engel als Täter sieht, denn ohne einen überzeugenden Nachfolger wäre der 62-jährige Müller, dessen Vertrag eigentlich bis 2011 läuft, kaum in den Vorruhestand gegangen.

Und auch nicht, wenn noch große Baustellen offen wären. Doch die Struktur des neuen Unternehmens mit 14 Milliarden Euro steht im Großen und Ganzen, die Abwicklung der Steinkohle übernimmt eine neue Stiftung und ein britischer Investor kaufte für 2,4 Milliarden Euro ein Viertel von Evonik. Damit war die Kapitalmarktfähigkeit belegt, und Müllers Job getan. Denn der frühere Bundeswirtschaftsminister wollte RAG/Evonik unbedingt börsenfähig machen. Der Anfang ist getan, Doch es ist nun Engels Job, das ganze Unternehmen an die Börse bringen. In drei bis fünf Jahren soll es soweit sein.

Der bald zwei Meter große und kräftige Engel, 1956 in Duisburg geboren, wird sich darauf konzentrieren. Als überzeugendste Referenz für die Berufung an die Evonik-Spitze gilt sein Erfolg als Chef des Mülheimer Chemietransportunternehmens Brenntag. 2003 wurde das Unternehmen für 1,4 Milliarden Euro von einem US-Investor übernommen, drei Jahre später hatte sich der Preis beim erneuten Firmenverkauf verdoppelt.

Müller holte Engel 2006 zur RAG. Die beiden kennen sich von der Veba – dem Energiekonzern, der später in Eon aufging, und für den Müller und Engel Anfang der 90er Jahre arbeiteten. Engel, promovierter Chemiker, wurde bei der RAG Chef der Chemiesparte, die im wesentlichen aus Degussa bestand. Er straffte den Bereich von zwölf auf sechs Einheiten und erhöhte die Profitabilität. Im ersten Halbjahr 2008 steigerte er den operativen Gewinn um 17 Prozent auf gut 600 Millionen Euro. Eine ordentliche Leistung im schwächeren konjunkturellen Umfeld.

Engel wird Evonik weiter als Chemiekonzern profilieren, flankiert vom Energie- und Kraftwerksbereich. Die Immobilien werden wohl verkauft. Sein Ziel hat Engel in der kurzen Rede zum Müller-Abschied genannt: „Die Verdopplung des Konzernwerts innerhalb von fünf Jahren.“ Alfons Frese

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