Meinung : Kleine Schnittmengen

Von Elke Windisch

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Die guten Noten, die Wladimir Putin und Angela Merkel sich und den deutsch-russischen Regierungskonsultationen erteilten, passten nicht recht zu den verkniffenen Mundwinkeln, mit denen die Akteure in Tomsk vor die Presse traten. Mehr noch: Die von beiden angestrengt beschworene Harmonie endete bereits bei der Farbenlehre. Die Kanzlerin trug ein rotes Jackett, er eine Krawatte von gleicher Farbe. Kleiner als in Sibirien waren die Schnittmengen der strategischen Partner bisher nie.

Das Volumen der unterzeichneten Verträge kann darüber nicht hinwegtäuschen. Masse ist nicht immer Klasse, und Westeuropa steht trotz russischer Zusicherungen, man werde geschlossene Abkommen einhalten, ein beinharter Konkurrenzkampf mit den USA und China um die knapper werdenden Energieressourcen bevor. Um so mehr, da Russland versucht sein könnte, ähnlich wie gegenüber den einstigen Sowjetrepubliken, bei der Zuteilung von Energieträgern auch die politische Willfährigkeit der Importeure mit zu benoten.

Die aber dürfte bei der deutschen Quantenphysikerin, die Entscheidungen mit dem Kopf fällt, erheblich unter dem liegen, was Putin bisher von seinem gefühligen Duzfreund Gerhard Schröder gewohnt war. Merkel sprach in Tomsk Reizthemen an und scheint, auch weil sie selbst aus der ehemaligen DDR-Opposition kommt, nicht willens, russische Demokratiedefizite als Kavaliersdelikt einer Übergangsgesellschaft mit nachhaltigen Entwicklungsstörungen wegzustecken. Die Kanzlerin weiß auch: Russland hat nach inzwischen zehnjähriger Mitgliedschaft im Europarat die dort fälligen Hausaufgaben bisher nur zum Teil erledigt. Merkel blieb hart, und das ist gut so. Für Deutschland wie für Russland.

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