Meinung : Klimagipfel: Kein Klima für Wandel

Ein großer Wurf sollte es werden, ein Masterplan gegen die globale Bedrohung aus dem All, die von den Menschen am Erdboden verursacht worden ist. Ob Kapitalist oder Kommunist - über 150 Jahre sind zu viele giftige Gase in die Umwelt geblasen worden. Nun ist die Atmosphäre aufgeheizt. Und die Folgen spüren alle: Ob Menschen in reichen oder armen Staaten, überall erfahren sie die Anfänge des Klimawandels, wenn sie unter Dürren leiden, vor Fluten fliehen, Stürmen nicht entgehen können.

Die einflussreichsten Staaten aber sperren sich gegen ein Umsteuern. Australien, Kanada, Japan, Amerika - keiner will seine Verantwortung für die Klimaveränderung sehen, keiner Schuld tragen. Wer gibt das auch schon gerne zu, menschlich gesehen? Von Staats wegen aber hätten sie auf dem Klimagipfel in Bonn ganz schnell Fehler, fortgesetzte Fehler, eingestehen sollen - und sie hätten einem Vertrag ganz schnell zustimmen müssen.

Die mächtigsten Volkswirtschaften der Welt aber wollen ihre Wirtschaftsweise nicht umstellen. "The American way of life is blessed", findet der amerikanische Präsident George Walker Bush. Nur seine Politik ist es in dieser Hinsicht vielleicht nicht. Umweltzerstörung und Energieverschwendung sind nicht von Gott gewollt und gesegnet.

Bush hat es nicht vermocht, bis zum Klimagipfel die Inhalte der Abkommen von Rio de Janeiro Anfang der neunziger und von Kyoto Ende der neunziger Jahre auseinander zu halten. Noch am Wochenende, beim Treffen der G 8 in Genua, hat er die Reduktionsziele und die Verpflichtungsperioden beider Übereinkünfte durcheinander gebracht - aber eines gewusst: dass er grundsätzlich gegen beide ist.

Die Staatenlenker der Europäischen Union hingegen haben Inhalt und Tragweite der Abkommen begriffen. Sie immerhin wollten den großen Wurf in Bonn wagen. Und mit ihren vielen Verbündeten unter den Entwicklungsländern meinten sie, schnell bei allen die Einsicht verbreiten zu können, dass ein verbindlicher Vertrag geschlossen werden muss. Das hätte gelingen können - wenn die Europäer nicht zu lange auf die Kraft von Argumenten vertraut und auf die Befindlichkeiten einzelner Staaten gesetzt hätten.

Zum Beispiel die Japaner. Sie würden schon zustimmen, da waren sich die Europäer sehr sicher. Immerhin ist das Klimaschutzabkommen auf ewig mit dem Namen der japanischen Stadt Kyoto verbunden. Ja, der Nationalstolz würde siegen. Aber die Europäer haben sich nicht rechtzeitig eine einfache Frage gestellt: Warum soll ein Land, das Klobrillen beheizt, wirklich Energie einsparen wollen? Oder die Kanadier. Auf sie haben die Europäer gehofft, auf den nordamerikanischen Staat, der in seinem Geist Europa viel näher ist als die USA. Aber warum sollte Kanada mit seinem riesigen Baumbestand nicht eben diese Wälder als Auffang-Areal für Treibhausgasemissionen anrechnen und so weiter wirtschaften wie bisher?

Auch die Ablehnung der USA hätte die Europäer nicht wirklich überraschen dürfen. Seit Beginn der Klimaschutzverhandlungen vor neun Jahren in Rio verzögern, verwässern und blockieren die Amerikaner eine verbindliche Einigung. Russland schließlich hatten die Europäer erst gar nicht auf dem Plan: Die siechende Wirtschaft des Landes, nicht wahr, die würde sie schon zwingen zuzustimmen, damit sie ihre Emissionsrechte teuer an die westlichen Industriestaaten verkaufen können.

Es wäre so schön gewesen: Ein großer Wurf in Bonn hätte auch einer für die Großen Acht in Genua sein können, ein großes Argument für sie gegen die Globalisierungsgegner. Aber auch diese Überlegung ist nicht aufgegangen. Der Kompromissvorschlag des Bonner Konferenzpräsidenten Pronk kam erst nachts um elf in Genua an, zu spät. Nun haben die EU-Staaten ihre wichtigsten Ziele hergegeben, um wenigstens einen Kompromiss zu erzielen. Den Masterplan gegen den Klimawandel wird es wieder nicht geben. Dafür das, was wir schon kennen: Nach dem Konferenzende werden alle behaupten, sie hätten das Protokoll von Kyoto gerettet und maßgeblich für den Klimaschutz gearbeitet. Nur das Weltklima - das wird sich nicht maßgeblich ändern.

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