Meinung : Klimakonferenz in Bonn: Mehr Vertrauen wagen

Ingrid Müller

Neun Jahre ist es her. 1992 legten die Staaten der Welt auf dem Erdgipfel in Rio de Janeiro so etwas wie ein Bekenntnis ab: Die das Klima schädigenden Emissionen müssten gesenkt werden - zuerst von denen, die den größten Teil der schädlichen Gase in die Atmosphäre schicken, weil sie so viel Öl und Kohle verbrennen. Die Bewohner der Industrienationen sollten anfangen zu reduzieren, die Entwicklungsländer später hinzukommen. Bis 1997 im japanischen Kyoto dauerte es, dass sich die Nationen darauf einigten, welchen Anteil jeder übernehmen sollte. Trotz aller Differenzen: eine Einigung. Trotz aller Differenzen: ein Signal der Verlässlichkeit. Kyoto war ein Schritt zur Vertrauensbildung. Bei den Klimaverhandlungen, die heute in Bonn beginnen, steht dieses Vertrauenskapital auf dem Spiel.

Zum Thema Rückblick: Der gescheiterte Klimagipfel in Den Haag Sachlich geht es am Rhein zuerst ums Klima. Und die Folgen, die die starre Haltung des amerikanischen Präsidenten haben kann, sind Besorgnis erregend. Die Temperaturen steigen noch schneller als vorhergesagt - es wird mehr und schlimmere Dürren, Stürme, Krankheiten geben. Am härtesten wird es die Länder der Dritten Welt treffen, aber auch in den Industriestaaten ändern sich die Wetterverhältnisse dramatisch.

Das alles beeindruckt Präsident Bush wenig. Er will die Abmachungen, die die Vorgängerregierung getroffen hat, nicht einlösen. Dabei galten die Amerikaner auch unter Clinton nicht als Anführer, sondern als Bremser. Bush behauptet nun, der Klimaschutz schade der Wirtschaft. Dass es auch Studien gibt, die das Gegenteil errechnen? Dass einige Unternehmen längst auf Energiespar-Maßnahmen setzen, weil sich das für sie besser rechnet? Dass auch in den USA schon Firmen und damit Arbeitsplätze entstanden sind, die versuchen, den in der Folge von Kyoto vorgesehenen Handel mit Emissionen zu organisieren? Viele Menschen sind weitsichtiger als der Präsident. Schon vom Marktgedanken her spricht vieles dafür, dass bei knapper werdenden Ressourcen die Energiepreise steigen und dann derjenige die besten Verdienstmöglichkeiten hat, der mit dem geringsten Einsatz das Meiste produziert.

Nur sinken damit die Emissionen eben noch nicht unbedingt. Die USA sind aber die größten Verschmutzer. Insofern ist die Welt auf Dauer darauf angewiesen, dass die Amerikaner beim Klimaschutz mitmachen. Bushs Handeln derzeit erweckt den Eindruck, auf ihn sei kein Verlass. Dazu gehört auch sein unheilvolles Einwirken auf Japans Premier Koizumi. Ein Hoffnungsschimmer bleibt: Mit Emissionen handeln - also selbst die Luft verschmutzen dürfen, wenn man andere Maßnahmen zur Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes finanziert - wird das Klimaprotokoll möglich machen. Das werden sich Amerikaner und Japaner vermutlich auf Dauer dann doch nicht entgehen lassen wollen. Bushs Haltung lässt vermuten, dass er vor allem noch einmal mehr rausholen möchte (also weniger zuhause tun), als eigentlich vereinbart war.

Doch nicht nur beim Blick auf die USA kommen Zweifel an der Verlässlichkeit der Vertragspartner auf. George W. Bush hat die Rolle des bad guy übernommen. Aber auch die Europäer sind nicht mustergültig im Klimaschutz. Nur Deutschland, Luxemburg und Großbritannien haben ihren CO2 Ausstoß bisher reduziert. Zusammen fast dreimal soviel wie die EU insgesamt. Zwar gilt die in Kyoto verabredete Senkung erst für die Zeit zwischen 2008 und 2012. Dafür aber muss vorgesorgt werden. Jetzt. Und da künftig nicht alle Reduzierungsvorgaben anderen Ländern abgekauft werden können, muss dies auch in jedem einzelnen Land geschehen. Soviel Ehrlichkeit gehört dazu. Da muss auch Deutschland noch einiges mehr tun.

Bei der Konferenz in Bonn heißt es also Schaden begrenzen in zweierlei Hinsicht. Erstens: Fürs Klima ein verbindliches Protokoll abschließen und Folgeschritte vereinbaren, um die Ausmaße des Schadens überschaubar zu halten. Zweitens: Mit einem verbindlichen Vertrag ein neues Zeichen der Verlässlichkeit setzen. Verlässlichkeit ist die Grundlage für Vertrauen. Vertrauen ist nötig, damit die Menschen mitmachen. Wenn die Menschen nicht mitmachen, bleibt das Ziel Illusion. Ein solches Ausmaß des Schadens sollte sich die Welt nicht leisten.

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