Klimaschutz : Den Regenwald gibt’s nicht gratis

Angela Merkel fordert in Südamerika einen Beitrag zum Klimapakt. Doch wer über Klimaschutz redet, muss auch zahlen.

Dagmar Dehmer

Angela Merkel ist 2007 Klimakanzlerin geworden. In diesem Jahr muss sie sich in der Umsetzung bewähren. Ging es im vergangenen Jahr darum, die Europäer auf Klimaziele zu verpflichten, die den gordischen Knoten bei den internationalen Verhandlungen lösen konnten, ist jetzt die Praxis gefragt.

Darum geht es in der Innenpolitik mit dem Klimapakt, das derzeit im Bundestag verhandelt wird. Darum geht es in der EU, wo Deutschland etwa bei den Grenzwerten für den Kohlendioxidausstoß von Autos keine besonders überzeugende Rolle als Klimaschützer spielt. Um die Umsetzung geht es auch bei Merkels Reise nach Brasilien. Denn das südamerikanische Land spielt eine wichtige Rolle, wenn es um die Rettung des Klimas und den Erhalt der Artenvielfalt geht. Allein der Verlust von Regenwäldern in Brasilien, Indonesien, im Kongo trägt rund 20 Prozent zu den weltweiten Treibhausgasemissionen bei. Die Regenwälder sind zudem die Lebensräume mit der größten Artenvielfalt. Ohne den Schutz der Wälder ist erfolgreicher Klimaschutz nicht möglich. Und wenn der Artenverlust im derzeitigen Tempo fortschreitet, verliert die Menschheit Optionen zur Lösung des Hungerproblems oder der Behandlung von Krankheiten, weil die Rohstoffe der Natur verschwinden.

Angela Merkel hat dieses Anliegen in Brasilien angesprochen und auch die Biospriteuphorie des Präsidenten etwas gebremst, indem sie darauf hinwies, dass beim Anbau von Agrartreibstoffen der Schutz des Regenwaldes nicht vergessen werden darf. Sie betonte aber, sie wolle die Debatte „partnerschaftlich“ führen. Damit hat sie wichtige Stichworte genannt, aber das Allerwichtigste verschwiegen: Der Schutz der Regenwälder kostet Geld. Die Industriestaaten, also auch Deutschland, werden ernstzunehmende finanzielle Zusagen machen müssen, wenn sie Länder wie Brasilien für den Klimaschutz gewinnen wollen. In der kommenden Woche bei der UN-Naturschutzkonferenz kann die Kanzlerin bereits eine erste Anzahlung machen. Denn auch dort steht der Schutz der Wälder im Mittelpunkt der Debatte.

Klima- und Artenschutz, Überlebensfragen für die Erde, können nur gelingen, wenn die Entwicklungsländer gewaltige Leistungen für die Menschheit erbringen. Das können ihnen die Industrieländer, die ihre Ressourcen – und die der Welt – in den vergangenen 200 Jahren rücksichtslos verprasst haben, aber nur dann zumuten, wenn sie bereit sind, dafür zu bezahlen. Es muss gelingen, Entwicklungsländern wie Brasilien Angebote zu machen, die es attraktiver machen, den Wald stehen zu lassen, anstatt ihn für die Exportlandwirtschaft – Fleisch, Futtermittel oder Agrartreibstoffe – abzuholzen.

Wenn Merkel Klimakanzlerin bleiben will, und aus Zielen realer Klimaschutz werden soll, wird sie auch über Geld reden müssen. Die Industriestaaten können die Probleme, die sie selbst geschaffen haben, nicht mehr alleine lösen. Sie werden sich beim Klima- und beim Artenschutz bei den Entwicklungsländern „freikaufen“ müssen.

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