Meinung : Klimawandel: Ist die Welt auf einem guten Weg?

Foto: Kai-Uwe Heinrich
Foto: Kai-Uwe Heinrich

„In die Büsche geschlagen / Umweltminister Röttgen will Kollegen aus 40 Ländern vom Klimaschutz überzeugen - mit mäßigem Erfolg“ von Dagmer Dehmer, Bonn vom 5. Mai

Auch wenn andere das anders sehen: Ich denke, Umweltminister Röttgen hat beim Klimadialog auf dem Petersberg bei Bonn einen guten Job gemacht. Die internationale Klimapolitik scheint nach dem letztlich ergebnislosen und von Streit überschatteten Klimagipfel von Kopenhagen wieder auf einem guten Weg zu sein. Dass Emissionsminderungsangebot der EU tatsächlich von 20 auf 30 Prozent bis 2020 im Vergleich zu 1990 zu erhöhen, wäre schon deshalb ein richtiger Schritt, weil damit den Staaten der Dritten Welt signalisiert wird, dass die EU-Länder eben nicht - wie zum Teil behauptet - das Kyoto-Protokoll vor allem deshalb aufgeben wollten, um bei einem Folgeabkommen billiger davonzukommem.

Dass etwas Geschehen muss, um den Klimawandel aufzuhalten ist jedem klar, deshalb muss man sich meiner Meinung nach auch keine ernsthaften Sorgen darüber machen, ob die USA und China, die laut dem oben genannten Artikel fast die Hälfte der weltweiten Treibhausgasemissionen verursachen, ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten werden. Zumal mit dem Klimaschutz auch einiges an Geld verdient werden kann. Im Bereich Klimaschutztechnologien könnte der Schlüssel für einen anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung in den derzeit gebeutelten Industrienationen liegen - und auch der Gigant China kann davon profitieren.

Deutschland ist Vorreiter beim Klimaschutz, politisch und auch in einigen technologischen Bereichen. Das ist gut so und sollte auch so bleiben, damit wir Deutschen auch in Zukunft ein wohlhabendes Volk bleiben.

Thomas Golz, Berlin-Treptow

Sehr geehrter Herr Golz,

die internationale Klimapolitik ist nach dem Klimagipfel in Kopenhagen in eine schwere Krise geraten. Diejenigen, die Klimaschutz schon immer bekämpften, sahen ihre Stunde wieder gekommen, um die Spirale nach unten weiter zu beschleunigen. Teile der deutschen Industrie beteiligten sich in unrühmlicher Weise. Besonders verheerend ist die Forderung, Klimaschutzziele gänzlich abzuschaffen und nur noch auf Technologiekooperationen zu setzen. Es wird momentan leider massiv versucht, das unkonditionierte deutsche Reduktionsziel von 40 Prozent bis 2020 sturmreif zu schießen. Auch auf Brüsseler Ebene sind die destruktiven Kräfte am Werk, das 30-Prozent-EU-Minderungsziel zu verhindern. Und genau deshalb war Petersberg so wichtig. Die reinen Fakten sind nach wie vor wenig motivierend. Die Treibhausgasemissionen steigen global unvermindert und dramatisch. Der geforderte Höchststand der Emissionen im Jahr 2015 scheint kaum zu halten und in den USA ist es ungewiß, ob Obama gegen die dortigen Widerstände sein Klimagesetz zustande bringt.

Petersberg hat hier den gordischen Knoten nicht durchschlagen, es wurden aber wichtige Schritte in die richtige Richtung gegangen. Zum ersten Mal nach Kopenhagen zeigte die internationale Staatengemeinschaft wieder Kooperationswillen in Sachen Klimaschutz. Die sogenannten BASIC-Staaten (Brasilien, Südafrika, Indien und China) läuteten diese Entwicklung schon kurz vor Petersberg ein, indem sie erklärten, dass auch jenseits des Kyoto-Protokolls die Vereinbarungen verbindlich werden sollten. Dies ist wirklich neu und ermutigend. Auf dem Petersberg konnte an diese Dynamik angeknüpft werden. Es wurden wieder erste Arbeitsgruppen zu den wichtigsten Themenfeldern gegründet, die nicht nur verhandeln, sondern konkrete Pläne umsetzen sollen. Scheinbar alles nicht spektakulär, es zeigt aber den wiedererwachten Willen zur Zusammenarbeit.

Dass Deutschland diese Initiativen anführt ist gut - auch um den Destruktionskräften im eigenen Lande den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ich stimme Ihnen zu, Herr Golz, dass Minister Röttgen auf dem Petersberg einen guten Job gemacht hat. Um glaubwürdig zu sein, muss Deutschland zeigen, dass Klimaschutz eine große Chance für die heimische Industrie ist. Zwei Bereiche sind hier zentral.

Erstens muss das Energiekonzept, das momentan erarbeitet wird, in eine klimafreundliche Zukunft mit 100 Prozent erneuerbarer Stromversorgung führen, damit wir 2050 mindestens 90 Prozent weniger Emissionen ausstoßen. Ein Energiekonzept, das nur Laufzeitverlängerungen legitimieren will, wäre eine dramatisch vergebene Chance. Deutschland hat als zentrales Industrieland jetzt die Möglichkeit, einen klimaverträglichen Wirtschaftsplan vorzulegen, der internationale Vorbildfunktion hat. Zweitens müssen versprochene Gelder für die Entwicklungsländer wirklich zusätzlich sein und nicht mit schon bestehenden Zusagen für die Entwicklungshilfe oder den Umweltschutz verrechnet werden.

Nur wenn Deutschland national einen klimaverträglichen Wirtschaftskurs fährt, können wir auf internationaler Bühne glaubwürdig bleiben und uns Zukunftsmärkte erschließen.

Mit freundlichen Grüßen

— Regine Günther, Leiterin Klima- und

Energiepolitik, WWF

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