Meinung : Klimawandel: Trockengelegt - Der Welttag des Wassers

Katja Lange-Müller

Seit acht Jahren ist der 22. März der Welttag des Wassers der Vereinten Nationen - und wir hätten Grund mit einem Gläschen desselben auf ihn anzustoßen, enthalten unsere Körper doch nur zehn Prozent weniger davon als die der Fische, für die unseres Schöpfers strafende Sintflut ein großes Gelage gewesen sein muss, allerdings bloß ein Fressgelage, denn im Unterschied zu uns trinken Fische nicht, nicht einmal einen Tropfen des Elixiers, in dem sie leben, Atemzug um Atemschluck. Für uns kommt H2O erst nach dem Sauerstoff, den wir aber getrennt vom Wasser aufnehmen, sonst hätten nicht so viele Menschen den "nassen Tod" gefunden. Doch wer weiß schon, ob mehr Menschen ertrunken oder verdurstet sind? Tendenziell bestehen beide Gefahren weiter. Global gesehen, droht die Dürre das größere Problem zu werden als die Flut. Ums Wasser, meinen Experten, könnten die nächsten Kriege entbrennen. Schon jetzt sind die Nah-Ost-Konflikte mitgeprägt vom Streit um Tiefbrunnen, die Israel gegraben hat, Syrien aber nicht. Im Gaza-Streifen gibt es pro Einwohner durchschnittlich nur 45 Liter täglich; diese Menge reicht einem Deutschen gerade mal für seine Klospülung. Einem Kongolesen stehen pro Jahr 21 Kubikmeter zur Verfügung, einem Amerikaner 2000, im gleichen Zeitraum sterben weltweit fünf Millionen Menschen an verschmutztem Wasser. Aber im Europa der lecken Leitungen geht ein Drittel des Trinkwassers auf dem Weg zu den Hähnen verloren. In Spanien mussten 1999 Schafe notgeschlachtet werden, weil sie keinen mickrigen Grashalm mehr fanden. "Wo das Wasser versiegt, lernen die Fische fliegen" sagen die Chinesen; doch ehe die Fische es können, haben wir es längst gekonnt, uns aus dem Staub gemacht und vielleicht sogar schon zwei, drei weitere Planeten trockengelegt.

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