Klimawandel verantwortlich für Hochwasser? : Naturkatastrophen vor Gericht

Eine alte Idee lebt wieder auf: Ein internationaler Fonds soll für Klimaschäden aufkommen. Das klingt zunächst gut, doch der Nachweis ist schwer zu führen.

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Ein vom Elbehochwasser umgeknicktes Verkehrszeichen für die Elbfähre in Darchau (Niedersachsen)
Ein vom Elbehochwasser umgeknicktes Verkehrszeichen für die Elbfähre in Darchau (Niedersachsen)Foto: dpa

Das Hochwasser entlang von Elbe, Donau und ihrer Nebenflüsse ist abgeflossen. Nach aktuellen Schätzungen hinterlässt es in Deutschland Schäden von knapp sieben Milliarden Euro. Zahlen werden die öffentliche Hand, Versicherungen, natürlich die Betroffenen selbst und viele Spender. Da wäre es doch gut, wenn auch der Internationale Entschädigungsfonds für die Folgen des Klimawandels zahlen würde.

Noch nicht gehört? Tatsächlich diskutieren Klimapolitiker seit Jahren eine solche Idee: Die großen Kohlendioxidproduzenten zahlen Geld in einen großen Topf. Daraus werden dann, zumindest teilweise, Schäden bezahlt, die dem Klimawandel zuzuschreiben sind. Wie so ein zentraler Fonds funktionieren könnte, dazu gibt es immer wieder Vorschläge. Erst neulich haben Detlef Sprinz und Steffen von Bünau vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung ein Konzept veröffentlicht.

Es funktioniert wie eine Versicherung. Wer viel CO2 ausstößt, zahlt viel ein, was im Gegenzug die Minderung der Emissionen attraktiv machen soll. Jedes Land, das mitmacht, hat zugleich Anspruch auf Entschädigungen. Deren Höhe orientiert sich am „CO2-Gepäck“ der Fonds-Mitglieder. Wenn also die teilnehmenden Länder nur für 30 Prozent des globalen Kohlendioxidausstoßes verantwortlich sind, übernimmt er nur 30 Prozent der benötigten Summe.

Das klingt alles fair. Nur, kann das funktionieren? Wie schwer es ist, gute Absichten zur Tat werden zu lassen, zeigt das Beispiel der jüngsten Flut. Da ist es keineswegs klar, ob sie tatsächlich eine Folge des Klimawandels ist oder doch „nur“ ein Hochwasser war, wie es sie bereits in vorindustrieller Zeit gab. Sie reichte an vielen Stellen höher als viele Fluten vor ihr, an anderen aber nicht. Waren die neuen Rekordpegel das Plus, das der Klimawandel auf ein „normales Hochwasser“ draufgelegt hat, oder war es ein ungünstiges Zusammenspiel natürlicher Faktoren, das die reale Welt nun einmal ausmacht? Keiner kann diese Fragen verlässlich beantworten. Aber genau das wird von dem „Klimagericht“ gefordert, das dem Konzept zufolge darüber entscheidet, ob es einen ursächlichen Zusammenhang mit dem Klimawandel gibt.

Klimaschäden schwer beweisbar

Es hätte sich nicht nur mit Flusshochwassern zu befassen, sondern auch mit Stürmen oder Dürren, die Simulationen zufolge häufiger auftreten werden. Doch der statistische Nachweis ist bei so extremen (und damit seltenen) Ereignissen schwer zu führen, vor allem nicht für alle Regionen der Erde. Dafür sind der Beobachtungszeitraum häufig zu kurz und die Ursachen zu komplex. So ist die Häufung von Hurrikanen im Nordatlantik nicht allein mit der Erderwärmung verknüpft. Seit die Luftverschmutzung durch die Industrie zurückgeht, gibt es weniger Aerosole, was letztlich die Entwicklung von Hurrikanen begünstigt, wie kürzlich britische Forscher berichteten.

Bemerkenswert an dem Konzept des Klimafonds ist, dass er nicht nur nach Schadensfällen zahlen, sondern auch Vorsorgemaßnahmen finanzieren soll. Ein Ansinnen, das unbedingt zu unterstützen ist. Wenn etwa Bangladesch seinen Küstenschutz verbessert, um dem steigenden Meeresspiegel zu begegnen, ist der Gewinn offensichtlich. Auch der Zusammenhang mit der Erderwärmung ist bei den steigenden Pegeln einfach zu führen. Wie beschrieben, ist das bei anderen Naturereignissen komplizierter. Dürfen die Anwohner großer Flüsse darum kein Geld aus dem Fonds für ihren Hochwasserschutz erhalten? Das wäre ungerecht. Selbst wenn, was soll damit bezahlt werden? Höhere Deiche, die den Schaden flussab vergrößern, oder die Renaturierung von Siedlungsflächen, um Platz für die Wassermassen zu schaffen?

Offensichtlich sind die Folgen des Klimawandels und die Möglichkeiten, ihm zu begegnen, zu komplex, um sie über einen zentralen Fonds zu managen. So lange sind überschaubare, bürokratiearme Projekte, die jeweils auf eine bestimmte Region zugeschnitten sind, die bessere Wahl. Für die Betroffenen, weil ihnen zügig geholfen wird, aber auch für die Geber, die sehen, dass ihr Geld sinnvoll eingesetzt wird – oder es künftig in andere Projekte investieren.

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