Meinung : Knappe Kassen, dünne Argumente

SOZIALES PFLICHTJAHR FÜR ALLE?

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Schon wahr: Es hat einem jungen Menschen noch nie geschadet, wenn er seinen Horizont zu irgendeinem Zeitpunkt auch für die Pflege und Hilfsbedürftigen in unserer Gesellschaft geöffnet hat. Deshalb muss man es noch lange nicht gut finden, wenn Nordrhein-Westfalens Regierungschef Steinbrück nun an den Gemeinsinn appelliert, um für ein soziales Pflichtjahr zu werben. Das Argument bemäntelt nur, worum es in der Debatte eigentlich geht: Die öffentlichen Kassen sind leer, und daran dürfte sich auf mittlere Sicht nichts ändern, wenn eines Tages wirklich die Wehrpflicht abgeschafft würde. Und damit unzählige billige Zivildienststellen, die unentbehrlich geworden sind. Wer sie künftig durch Männer und Frauen im sozialen Pflichtjahr ersetzen will, übersieht nur eines: Wer die Abschaffung der Wehrpflicht befürwortet, muss deshalb noch nicht Ja zum Pflichtjahr sagen. Großbritannien und Frankreich haben beispielsweise Berufsarmeen. Die sozialen Dienste in beiden Ländern werden dennoch auch ohne ein Heer von Zwangsverpflichteten organisiert. Bei der Suche nach Alternativen zum Zivildienst müsste die deutsche Politik schon noch kreativer sein. ame

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