Meinung : Koalition gegen das Forschen Von Hartmut Wewetzer

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Zu den kuriosen Allianzen der Politik gehört der gemeinsame Kampf des Sozialdemokraten Gerhard Schröder und des Konservativen George W. Bush gegen das Klonen. Deutschland und die USA haben einen Beschluss der Vereinten Nationen durchgesetzt, nach dem das Klonen pauschal verboten gehört, also sowohl das reproduktive Menschenklonen als auch das therapeutische Klonen zu medizinischen Zwecken. Aber Bushs Koalition gegen das Klonen ist noch brüchiger als seine IrakAllianz, und das ist gut so.

Wichtige Forschungsnationen wie Großbritannien sind Bush und Schröder nicht gefolgt, weil sie im therapeutischen Klonen einen potenziellen Nutzen für schwer kranke Patienten sehen und ihren Bürgern diese Hoffnung nicht verbauen wollen. Das gilt sogar für die USA selbst. Dort bringen Initiativen Milliarden Dollar für die Stammzelltherapie auf, unterlaufen das Verbot von Bundesmitteln für diese Forschung und durchlöchern so Bushs Politik an allen Ecken und Enden. Welches Potenzial in der Wissenschaft steckt, das zeigen nun die Erfolge koreanischer Forscher. Ein Hauptargument gegen das Klonen zu medizinischen Zwecken war bislang der hohe Verbrauch an Eizellen. Die Koreaner konnten die Erfolgsquote dagegen um mehr als das Zehnfache steigern. Damit rückt die Behandlung mit Stammzellen nach Maß zwar noch lange nicht in greifbare Nähe. Aber die Fundamente sind gelegt, und der weltweite Wettlauf um den nächsten Durchbruch hat längst begonnen.

In Deutschland sind all diese Experimente strikt verboten, und so recht hat wohl kein Spitzenpolitiker Lust, das Thema Stammzellgesetz wieder auf die Tagesordnung zu setzen. Und doch wäre es an der Zeit, die restriktive Gesetzgebung zu ändern und auch deutschen Wissenschaftlern die Möglichkeit zu geben, international Anschluss zu halten. Großbritannien hat es vorgemacht und ein Gesetz verabschiedet, das das Menschenklonen selbstverständlich verbietet – und das gleichzeitig Wissenschaft und Medizin erlaubt, unter strengen Auflagen verantwortbare Stammzellforschung zu betreiben.

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