Meinung : Kölner Muezzine

In der Domstadt soll eine große Moschee gebaut werden – und das ist auch gut so.

Caroline Fetscher

In der Domstadt Köln, Metropole rheinisch-katholischer Frohnatur, soll eine Moschee gebaut werden. Genauer: eine Mammutmoschee, die größte in ganz Deutschland. Von fünfundfünfzig Meter hohen Minaretten wird der Muezzin zu hören sein, und 2000 Gläubige sollen im Innenraum Platz finden. Um Himmels willen! oder Oh Schreck! ertönt der empörte Aufschrei besorgter christlicher, jüdischer und atheistischer Antiislamisten – von Necla Kelek über Ralph Giordano bis zu den meist so klugen Kritikern Ian Buruma und Timothy Garton Ash.

Wenn Europa beginnt, solche gigantischen Repräsentationsbauten einer derzeit, gelinde gesagt, umstrittenen Religion zuzulassen, ist der Anfang vom Ende eingeleitet, sagen sie. Da weichen wir im Westen zurück vor einer Gruppe unberechenbarer Mitbürger migrantischen Hintergrunds, wir lassen uns von deren Patriarchat (Kelek) oder „Pinguin“-Frommen (Giordano) eine fremde Färbung unserer Gesellschaft aufdrängen, „wir“ – denn es ist ein fantasiertes Wir, das da arbeitet – gäben damit uns und unser Grundgesetz auf. Sogar von extrem rechter Seite bekommen diese Stimmen Zuspruch.

Dabei ist das alles halb gedacht. Ja, es wirkt nahezu panisch. Man braucht keine Sympathien für den Islam, ja nicht einmal für Religion an sich zu besitzen, um zu sehen, dass das Grundrecht auf freie Religionsausübung auch für jene aktiv ihre Religion Praktizierenden unter den 3,2 Millionen Muslimen in Deutschland gilt und gelten sollte – ja, muss. Wo Kirchen und Synagogen stehen dürfen, da müssen auch Moscheen ihren Platz haben.

Es wird höchste Zeit, dass solche Einrichtungen gängige und gesetzeskonforme Praxis werden. Denn die jetzige Lage in vielen migrantischen Subgesellschaften schreit danach, dass feste Rahmen unter gesetzlicher Aufsicht geschaffen werden, dass staatlich ausgebildete Imame im öffentlichen Raum sprechen, sich auf dem Boden des Grundgesetzes bewegen und hörbar dem Gesetz gerecht werden. Derzeit werden in Deutschland Kinder und Jugendliche in Hinterhofmoscheen unterrichtet, oft „versteckt“, nicht selten begleitet von Prügel. Gewalt gegen Frauen und das Züchtigen von Kindern gelten in viel zu vielen, besonders muslimischen Migrantenfamilien noch als legitime Tradition. Viele Migranten halten es im Wortsinn mit der Faustregel „in meinen vier Wänden, in meiner Hinterhofmoschee gilt das Gesetz nicht“. Auch „Allah, der Mitfühlende, der Barmherzige“ scheint Lichtjahre von dieser Prügelpraxis entfernt.

Aus diesem Milieu rekrutieren religiöse Fanatiker einerseits, Kriminelle andererseits – und im schlimmsten Fall alle beide – ihren Nachwuchs. Erst wo sich einsehbare, offene Strukturen etablieren, wird Aufklärung, Kontrolle und damit sukzessive Integration möglich. Den gefährlichen, politischen und gewaltbereiten Islam bekommt eine Gesellschaft nur dann in den Griff, wenn sie transparente Strukturen bewusst fördert. Dazu gehören weithin sichtbare Moscheen als religiöse Oasen, dem säkularem Grundgesetz und Boden verpflichtet, auf dem sie stehen.

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