Meinung : Können und wollen

ERSTE FRIEDENSTRUPPEN IN LIBERIA

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Die Not in Liberia schreit zum Himmel. Und, schlimmer noch: Das wird sich wohl auch so schnell nicht ändern. Auf zwei Kräfte richten sich die Hoffnungen: auf die westafrikanische Friedenstruppe, deren erste Soldaten gestern – endlich! – in Monrovia eintrafen, und auf die Amerikaner, die Kriegsschiffe vor Liberias Küste entsandt haben. Doch beide treffen auch auf Vorbehalte. Die Amerikaner erwecken den Eindruck, sie wollten nicht so recht, und die Afrikaner, sie könnten es nicht, jedenfalls nicht das, was gebraucht wird: unparteiisch eingreifen. In der Tat macht die Erfahrung mit afrikanischen Friedenssoldaten misstrauisch. Zu oft haben sich solche Einheiten selbst an Plünderungen, Mord und Folter beteiligt; manche Nachbarstaaten sind ohnehin längst direkt in den Bürgerkrieg verwickelt. Das bringt Amerika in eine ungewohnte Lage: Ausnahmsweise klagt die Welt nicht darüber, dass sich der Weltpolizist ungefragt einmischt, sondern dass die Supermacht, obwohl gebeten, zu wenig tut. Doch warum soll Amerika dort selbstlos Soldaten opfern? Nur weil es bereits bei der Gründung dieses Staates für befreite Sklaven half, was aller Ehren wert ist? Da bleibt nur eine Hoffnung: dass sich jene, die können, ohne zu wollen, mit denen, die wollen, ohne zu können, zusammentun. Ihre vereinten Fähigkeiten dürften ausreichen, um das Morden zu beenden. cvm

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