Meinung : Kohls Tagebuch: Parallel-Universum

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Früher, im vorigen Jahrhundert, unterteilte Helmut Kohl die ihn Umgebenden in drei Kategorien: Freunde, Feinde, uninteressante Personen. Wer Freund war, war es für immer, wer einmal Feind war, hatte es sehr schwer, aus dieser Kategorie herauszukommen. Soweit erinnerlich, ist das nur Gerhard Stoltenberg gelungen, inzwischen fast vergessen. Heute lauten die Einstufungen so, nach Kohls Tagebuch: Querulanten, Hoffnungsträger, Wolfgang Schäuble. Wie sehr sich der Mann, der früher mal "der Kanzler" war, geändert hat, zeigt, dass sich Norbert Blüm, sein treuer Knappe über 16 Jahre in der Regierung, der Sancho Pansa der Sozialpolitik, heute wiederfindet in einer Reihe mit Heiner Geißler. Hoffnungsträger sind für ihn Angela Merkel, trotzdem, und Friedrich Merz, weil sie ihm nützlich sind. Ja, und dann Schäuble. Hier offenbart sich endlich das ganze Drama. Kohl kann nicht verstehen, was er Menschen, die ihn Kanzler sein ließen, angetan hat. Er kann keinen Fehler an sich entdecken. Er ist sein eigenes Gericht. Kohls Welt: ein Paralleluniversum. So wird verständlich, warum er auch nicht mehr einschätzen kann, wann Schluss ist: mit der Kanzlerschaft früher, mit der Selbstreinwaschung heute. Kohls Tagebuch eines an sich selbst Scheiternden - interessant für weitere Untersuchungen.

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